Die Heimatgeschichte von Wermsdorf ist noch voller Geheimnisse.



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Heimatgeschichte Wermsdorf

Die Heimatgeschichte von Wermsdorf ist reich an Ereignissen.

Aus der Wermsdorfer Heimatgeschichte

Wermsdorf war ein Waldhufendorf
Wermsdorf und seine Entwicklung im Handwerk und Gewerbe
von Frau Christdore Wetzig

Wermsdorf- einst ein Waldhufendorf
Urkunden über Wermsdorfs Gründung gibt es nicht. Nach 1150 wurde Wermsdorf nach Art eines Waldhufendorfes angelegt. Die Bauernhöfe standen am rechten Hochufer des Saubaches (Calbitzer Straße ? Grüner Weg). Zwei große Gehöfte lagen am linken Ufer des Baches: Erbkretscham (Erbschenke) ? jetzt Hotel und Gasthof „Goldener Hirsch" und das Herrengut (Rittergut) ? auf dem Gelände des Alten Jagdschlosses. Im Bereich des Herrengutes lag der ursprüngliche Wohnsitz der Herren von Wermsdorf . In der ersten urkundlichen Erwähnung Wermsdorfs im Jahre 1206 wird ein Henricus de Weremboldisdorf als Zeuge bei der Schlichtung eines Streites zwischen dem Bischof von Meißen und dem Burggrafen von Dohna genannt. In der gleichen Urkunde werden auch Dresden und Tharandt erstmals erwähnt. Zu den Zeugen gehörten auch Konrad von Mutsin (Mutzschen) und Peter von Chulme (Collm). 1241 wird Burkhard de Werenboldestorp, 1312 und 1327 Heinrich von Wermoldistorph bzw. Warmoldisdorff genannt. 1419 ist Wermsdorf im Besitz des Burggrafen Meynher von Leisnig, ihm gehörte auch Mutzschen. 1445 befindet sich Wermsdorf im Besitze der Ritter von Starschedel auf Mutzschen. Diese Familie stammte aus Starsiedel, einer alten Ansiedlung bei Merseburg.
Kurfürst August I., auch Vater August genannt, war von seinem Regierungsantritt an bemüht, die Staatseinkünfte durch Errichtung von Kammergütern und Erwerb von Wäldern zu vermehren. Aus diesem Grund kaufte er 1565 von den Starschedels Wermsdorf und Mahlis mit dem größten Teil des Waldes. In späterer Zeit wurde der Waldbesitz durch Hinzukauf bedeutend vermehrt. Wermsdorf war in dieser Zeit ein rein bäuerlicher Ort.
Seit dem Übergang des Rittergutes in kurfürstlichen Besitz begann das allmähliche Wachstum des Dorfes. Die zehn Pferdner und 14 Gärtner zu Wermsdorf mussten bäuerliche Frondienste ausüben.
1536 wurde bereits ein Bader erwähnt. Er war Besitzer eines Badehauses und übte ärztliche Praxis aus, war aber auch Haarschneider und Rasierer.
Kurfürst Johann Georg I. hatte 1617 Vorwerksfelder, Wiesen, Krautgärten und Gräsereien wiederverkäuflich dem hiesigen Oberförster Heinrich Weise überlassen, der diese im einzelnen veräußerte. Auf den betreffenden Feldern entstanden eine größere Anzahl Häuser und Kuhhäuser (zu denen gehörte ein Garten und Feld, dass man eine Kuh halten konnte). So wurden damals im Rumpe, das war das Dorfteil von der Pfarre bis zur Apotheke, verhältnismäßig viel gebaut. Zu dieser Zeit gab es einen Schneider im Ort, später noch einen Krämer. Fast alle Häuser fielen dem Dreißigjährigen Krieg (1618?1648) zum Opfer. Während dieses Krieges hatte Wermsdorf furchtbar zu leiden, die Bevölkerungszahl sank erheblich. Mit wenig Ausnahmen waren 1690 die im Krieg zerstörten Häuser wieder aufgebaut. Von 1705 an begann sich die Gemeinde an der Oschatzer Straße und an der Schulstraße entlang auszudehnen.
Die Ausübung eines Handwerks war in früheren Zeiten ein Vorrecht der Städte. Hier hatten sich die Handwerker in Zünften oder Innungen zusammengeschlossen. Es bestand meist Zunftzwang. Die Zünfte bestimmten den Arbeitsprozess, die Arbeitszeit und Berufsausbildung, die Zahl der Gesellen und Lehrlinge jedes Meisters, Qualität und Preis der Produkte usw.. Die Stadt, die Handwerkerzünfte besaß, hatte einen bestimmten Umkreis (ca. 4,5 km), der als „Bannmeile" bezeichnet wurde. In diesem Umkreis war die Ausübung eines Handwerks untersagt, das in der Stadt innungsgemäß betrieben wurde.
In Wermsdorf, das in der Bannmeile von Mutzschen lag, konnte ein Handwerk nur dann betrieben werden, wenn in Mutzschen keine Zunft oder Innung für dieses Handwerk bestand. Erst Anfang des 19.Jahrhundert kam durch eine neue Gewerbeordnung auch die Gewerbefreiheit und Aufhebung der Zünfte. Selbständige Handwerker und Gesellen bildeten die Innungen als Interessenvereinigung. Mutzschen besaß bereits 1684 eine Schusterinnung. In den Jahren 1641 bis 1680 wird in Wermsdorf ein Böttger, Tischler, Zimmermann, Schlächter und Torwächter erwähnt. In der Rechnung über den 1696 erfolgten Kirchturmbau ist nicht ein einziger Handwerker aus Wermsdorf angegeben, der an diesem Bau beteiligt gewesen wäre. Vor dem Bau von Schloss Hubertusburg hatte Wermsdorf ca. 400 Einwohner. 1721 gibt der Kurfürst August der Starke den Befehl zum Bau von Schloss Hubertusburg. Mit dem Bau des Schlosses ließen sich verschiedene Handwerker hier nieder und fanden reichlich Beschäftigung. Zwei große Ziegelbrennereien und Ziegelscheunen wurden errichtet, um die nötigen Ziegel gleich aus nächster Nähe zu liefern. Diese Anlage stand da, wo heute das „Gartenlokal Lindenbaum" steht.
Von 1722 bis 1728 wurden in Wermsdorf 21 Häuser, u.a. auch die Kursächsische Poststation, die heute für schulische Zwecke genutzt wird, gebaut. Um Wermsdorf von Dresden oder Leipzig bequem zu erreichen, ließ August der Starke um
1724 eine neue Poststraße anlegen. Eine Halbmeilensäule steht heute noch im Walde an der Straße nach Sachsendorf, die als „alte Poststraße" bezeichnet wird. 1730 wird zum ersten Male die Apotheke in Wermsdorf erwähnt. Ihr Besitzer hieß Friedrich Barthold.
Infolge des Siebenjährigen Krieges (1756?1763) und der Verwüstung des Schlosses Hubertusburg, wurde die Baulust unterbunden Erst als die Steingutfabrik in Hubertusburg 1770 eingerichtet war, fehlte es wieder an Wohnungen. 1796 und 1797 wurden an der heutigen Grimmaer Straße einige Häuser gebaut. Zur gleichen Zeit entstand auch das erste Haus in der Schlossstrasse. In der Steingutfabrik hatten bis einhundert Personen Beschäftigung gefunden, die auch Wohnungen zum Teil hier benötigten. Da die Steingutfabrik ständig staatliche Zuschüsse bedurfte und die Besitzer oft wechselten wurde ihr Betrieb eingestellt. 1850 kaufte sie der Staat zurück und verwendete ihre Räumlichkeiten zu Anstaltszwecken.


Das Handwerkerdorf Wermsdorf

Zimmerhof mit Dampfsägewerk der Firma Richard Liebers Wermsdorft
In Wermsdorf siedelt sich Handwerk an und erhält den ersten berufsmäßigen Bürgermeister
Kurze Zeit wurden seltenere Handwerke betrieben: ? Orgelbauerei von Zöllner. Wiederholt musste die Orgel in der Wermsdorfer Kirche repariert werden und 1812 erhielt sie eine gründliche Überholung. Orgelbaumeister Zöllner war es auch, der 1803 in der Wehrkirche Höfgen (bei Grimma) eine Orgel einbaute, die heute noch zu sehen ist. ?Uhrenfabrikation von Dotter und Krebs. Krebs stellte Turm? und Kunstuhren her und reparierte auch solche. Dotter war ein Schwarzwälder Uhrmacher und stellte Wanduhren nach Schwarzwälder Art her (keine Kuckucksuhren). Er wohnte in Wermsdorf, seine Werkstatt, wo auch Uhrmachergesellen arbeiteten, war im Schloss Hubertusburg. In seiner Herstellung waren Wanduhren mit Holzrädern, die eine Laufzeit bis zu 12 Stunden hatten. Diese verkaufte er billig. Wer etwas anspruchsvoller war und das nötige Geld besaß, konnte eine Wanduhr mit Messingverarbeitung erwerben.
Weiterhin gab es eine Malerpinselfabrikation von Hornickel, Anfertigung von Puppenköpfen und Louis Plaidy, der Schreibtafeln nach einem eigenen Verfahren herstellte. Plaidy war der Erfinder des Pergamentpapiers und diese Herstellung wurde unter Führung seines Sohnes Philibert 1840 von Wermsdorf nach Grimma verlegt. Viele Arbeiter fanden auch Beschäftigung in den nahen Quarzitsteinbrüchen und im Kaolinwerk Kemmlitz. Durch die Landesanstalten Hubertusburg war eine Vielzahl verschiedener Bevölkerungsschichten vertreten: Beamte, Angestellte und Arbeiter, aber auch Mitarbeiter des Forstes, der Post und der Eisenbahn. 1834 hat Wermsdorf 1543 Einwohner.





Das Elektrizitätswerk
Ab 1835 wurde auf dem Hofe des Wermsdorfer Schlosses ein regelmäßiger Wochenmarkt abgehalten, der nach l0jährigem Bestehen wieder aufgehoben wurde. Ein späterer Versuch von einem Markttreiben hatte keinen Erfolg.
1849 kam W. Hartenstein, Besitzer einer Zigarrenfabrik in Wurzen nach Wermsdorf und gründete eine Filiale seiner Fabrik. In Wurzen konnte er keine Arbeitskräfte gewinnen, in Hubertusburg übernahm er die Strafgefangenen zur Arbeit in der Zigarrenfabrikation. Zuerst befand sich die Filiale in dem Hintergebäude des Gasthofes „Zum Goldenen Strauß" und seit 1854 in dem erkauften und zu Fabrikzwecken eingerichteten Hause neben der Apotheke (Oschatzer Straße 1). Selbst die Filiale von Mügeln wurde 1882 nach Wermsdorf verlegt. Im Jahre 1888 gab es 82 Zigarrenarbeiter und Arbeiterinnen. Jahre später entsprach das Fabrikgebäude nicht mehr den neuen gesetzlichen Vorschriften in Zigarrenfabriken, dadurch mussten die Arbeiten in den Räumen eingestellt werden. Die Zigarrenherstellung wurde als Heimarbeit vergeben und brachte große Schwierigkeiten für die Arbeiter. Diese Tätigkeiten wurden im Jahr 1901 eingestellt.
1866 gründete August Richard Liebers in Wermsdorf ein Baugeschäft. Privatbauten, sowie Neu? und Umbauten staatlicher Gebäude (Mittelschule Wermsdorf, Gebäude 100 Hubertusburg, Reithalle Wermsdorf )brachten der Firma großes Ansehen. Dazu errichtete er 1895 auf seinem Zimmerhofe ein Dampfsägewerk. Dieses Unternehmen der Firma Liebers war neben dem Kretzschmarschen Steinbruchsbetrieb die einzigen industriellen Unternehmen im Ort. Als im Jahre 1908 für Wermsdorf ein Elektrizitätswerk gebaut werden soll, ist die Errichtung der gesamten Anlage auf dem Gelände der Firma Liebers vorgesehen. Für die Wirtschaft im Ort war es von großem Nutzen, aber nicht jeder Haushalt konnte sich einen Stromanschluss leisten.
1895 schuf der damalige Bürgermeister Hugo Zeißler die hiesige Sparkasse, dieser wurde nach dem Kriege die Girokasse angegliedert. Hugo Zeißler war der erste berufsmäßige Bürgermeister unserer Gemeinde. Vor ihm waren seit 1839 nicht berufsmäßige Gemeindevorstände tätig, die in Gemeinschaft mit dem Gemeinderat die Gemeindeangelegenheiten verwalteten. Bis 1839 wurden alle Gemeindevorsteher Richter genannt.

Handwerk und Fremdenverkehr entwickeln sich

Gesellenverein Wermsdorf Anfang der Dreißiger Jahre

Am l. November 1888 wird die Eisenbahnlinie Mügeln? Wermsdorf? Neichen eröffnet. Die Inbetriebnahme der Schmalspurbahn hatte für Wermsdorf größere wirtschaftliche Bedeutung. Der Transport von Gütern, wie Kohle, Holz, Baustoffe und Futtermittel, auch Expressguttransporte brachte erhebliche Vorteile für die ansässigen Gewerbe. Die neu erbaute Eisenbahnlinie wurde auch zur Postbeförderung genutzt, damit wurden sämtliche Landposten eingezogen.
1910 hat Wermsdorf nach einer Volkszählung 4099 Einwohner. Zwischen Oschatz und Wermsdorf wird 1912 eine tägliche Postautoverbindung eingerichtet.
Für die Hufschmiede gab es im Ort reichlich Beschäftigung. Ein hoher Pferdebestand war in der Landwirtschaft und im Gewerbe vorhanden. 1913 zählte der Bestand 114 Pferde. In den Kriegsjahren 1914/1918 gab es einschränkende Vorschriften über den Verbrauch von Lebensmitteln. Die Lebensmittelkarten wurden nicht nur für den Fleischverbrauch eingeführt. Ob Brot, Butter, Milch oder Mehl, es brachte große Einschnitte bei der Versorgung der Bevölkerung. Fahrradschläuche und ?decken mussten abgegeben werden, wer dies nicht befolgte, wurde seiner Fahrradbereifung enteignet. Petroleumkarten erhielten Heimarbeiter und Landwirte sowie Haushalte ohne elektrisches Licht. 1917 gab es Schuhwaren nur auf Bezugsschein zu kaufen. Kartoffeln waren im genannten Jahr so knapp, dass nur Kohlrüben als Ersatz geliefert wurden. Es gab Vorschriften bei dem Verbrauch von Seifen? und Waschmitteln. In den Kriegsjahren war die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln kaum zu decken. Im Handel gab es minderwertige Ersatzlebensmittel. Gastwirtschaften, die Fleisch ohne Fleischmarken servierten, mussten mit der Schließung des Geschäftes rechnen. Kontrollen wurden ständig durchgeführt. Im Handel gab es fleischlose Wochen. An Stelle des Fleisches gab es pro Kopf 1,5 Pfund Kartoffeln auf den Fleischbezugskartenabschnitt. Die Landwirte waren vom Kriegsernährungsamt aufgefordert, teilweise Getreide und Heu an das Heer abzuliefern. Ortsausschüsse wurden gebildet zur Sicherung der Volksernährung. König Friedrich August stellte das Jagdschloss Wermsdorf im Oktober 1918 der Militärverwaltung zur Verfügung. Fast in allen Kreisen des Handwerks und Gewerbes schloss man sich in Genossenschaften im Dienst der wirtschaftlichen Selbsthilfe zusammen. Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es Händler, die ein eigenes Geschäft besaßen und gleichzeitig den Handel außerhalb des Ortes durchführten. Dafür benötigte der Händler einen Wandergewerbeschein. In Besitz dieses Scheines, konnten sie ihre Waren auf Märkten und bei Haustürgeschäften anbieten. Mit Angabe des Transportmittels und Warenangebotes stellte das Gemeindeamt die Genehmigung für den Wanderhandel aus. Wermsdorfer Händler waren vielerorts anzutreffen. Mit einspännigen Fuhrwerken, Handwagen, Schubkarren, Fahrrädern oder Trage? und Handkörben boten sie ihre Waren an. Der Kaufmann Hans Heine (später Textilgeschäft Wappler) fuhr bereits mit einem Lastauto und verkaufte Haus? und Küchengeräte sowie Gemischtwaren. Walter Krutzke bot Obst, Gemüse und immer frischen Fisch an und war mit einem einspännigen Fuhrwerk unterwegs. Bruno Thiele, als „Seifen?Thiele" bekannt, handelte mit Seifenartikeln, Körben und selbstgebundenen Reisigbesen. Die Geschäftsinhaber, die nebenbei das Wandergewerbe betrieben, mussten auch dafür Steuern zahlen. Der Hausierhandel von außerhalb kommenden Händlern brachte dem ortsansässigen Gewerbe erheblichen Schaden.
In den Jahren 1926 bis 1930 gab es in Wermsdorf 97 Handwerker und Gewerbetreibende. Davon waren allein zehn Schuhmacher, sechs Bäcker, fünf Tischler, fünf Schneider und weitere Handwerker und Gewerbe. Im April 1926 erhält Wermsdorf Straßennamen, auf Anregung des Verschönerungs? und Verkehrsvereins.
Mit dem aufblühenden Fremdenverkehr in den zwanziger und dreißiger Jahren wurde Wermsdorf landesweit zu einem bekannten Ausflugsort. An dieser Entwicklung hatten die Gasthöfe und Kaffeestuben einen großen Anteil. Die Gaststätten waren unumstritten beliebte und viel besuchte Einrichtungen. Jede hatte ihre eigene Geschichte. In den Gasthäusern wurden Erntefeste, Kirmes und Bockbierfeste, Stiftungsfeste usw. gefeiert. Wo ein Saal vorhanden war kamen Theatergruppen, Gaukler und Musikanten zusammen. Großartige Tanzveranstaltungen, auch Filmvorführungen brachten unzählige vergnügliche Stunden für Einwohner und Besucher. Die zahlreichen Wermsdorfer Vereine gestalteten besondere Abende an Feiertagen .Der im Jahre 1842 gegründete Männergesangsverein, der seit 1853 als „Liedertafel" bezeichnet wurde, gehörte zu den 22 aktiven Vereinen, die es 1927 im Dorf gab.

Mühlen und Gaststätten in Wermsdorf

Bockwindmühle in Wermsdorf um 1930 Standort noch nicht genau bekannt
Wermsdorf hatte in frühen Jahren keine Mühle. Die nächstliegende Mühle war die Wassermühle in Reckwitz. In den Beiträgen von Pfarrer Ch. H. Fritzsche „Ortsgeschichte von Wermsdorf, wird eine Windmühle 1795 erwähnt, die 1860/1870 abbrannte. Sie stand am Ortsausgang , Richtung Oschatz , auf dem Gelände des früheren Gasthauses Fasanenholz, und ist nicht wieder aufgebaut worden. Nahe des Horstseeufers stand eine Windmühle, die der Pferdner Georg Busch auf seinem Felde erbaute und 1843 verkaufte. Der letzte Windmüller dieser Mühle war Karl?Ernst Rautenstrauch, der die Mühle wegen geringer Nutzung abbrechen ließ. Eine weitere Mühle stand an der Straße „Hinter den Gütern". Es war eine Bockwindmühle, die um 1900 mit einem Wohnhaus erbaut wurde. Zu dem Müller, Gustav Hoff brachten die Bauern nicht nur das Getreide zum Mahlen, sondern ließen dort im vorhandenen Backofen auch das Brot backen. Mit dem Fortschritt der Industrialisierung wurde die Mühle nicht mehr betrieben.
Werbung für ein Bockbierfest im „Gasthaus zum Roten Ochsen“
1886 schlossen sich die hiesigen Gewerbetreibenden zusammen und gründeten die Innung vereinigter Gewerbetreibender zu Wermsdorf. Der Gasthof „Zum goldenen Hirsch" ist die älteste Wermsdorfer Gaststätte. In früherer Zeit war es der Erbkretscham (Erbschenke).
Die Braurechte hatten im öffentlichen Leben einen hohen Stellenwert. Er war so hoch, dass es 1727 zu einem „Mutzschener? Wermsdorfer? Bierkrieg" kam. Nach dem Statut des ab 1665 geltenden Brau? und Schankrechts durften die Wermsdorfer nur das in ihrer Erbschenke gebraute Bier trinken oder in Sonderfällen, wenn der Verbrauch zu hoch war, konnten sie das Mutzschener Bier einführen. Sie hielten sich aber nicht an diese Vorschrift. Fortlaufend gab es Streit wegen Schwarzbrauerei und Bezug auswärtiger Biersorten. Erst 1838 wurde der allgemeine Bezug aller Biere freigegeben. Schon einige Besitzer hatten den Gasthof bewirtschaftet, als 1898 Hugo Curth den Goldenen Hirsch kaufte. Ab 1932 übernahm sein Sohn Willy den Gasthof. Viele Jahre war es eine geschätzte Stätte der Lebensfreude, der Gaumenfreuden, der Versammlungen und Begegnungen. Keiner der vielen Wermsdorfer Vereine versäumte es, seine festlichen Bälle und Veranstaltungen im großen Saal „Zum goldenen Hirsch" abzuhalten. Der Hirsch?Wirt war nicht nur ein guter Gastronom. So verstand er es, die Postbushaltestelle direkt vor seinen Gasthof legen zu lassen. Er organisierte die Aufstellung einer der ersten Aral?Tankstellen auf dem Lande in Sachsen neben seinem Biergarten. Als Willy Curth 1951 starb übernahm seine Frau mit den Kindern den Gasthof, bis sie diesen aus wirtschaftlichen Gründen 1957 veräußerte. 1958 übernahmen die Volkseigenen Kaliwerke Roßleben die Gebäude und Teile des Geländes vom Goldenen Hirsch. Es entstand ein Betriebs?Kindererholungsheim. Die Gastwirtschaft wurde an die HO (Handelsorganisation) verpachtet mehrere Objektleiter hintereinander waren mehr oder weniger erfolgreich tätig. Anfang der 80er Jahre reichten die Mittel zur Unterhaltung der gesamten Anlage nicht mehr aus und war bis zur Schließung am 1. September 1989 in einem sehr schlechten Zustand. Der Komplex kam unter die Verwaltung der Treuhand?Gesellschaft. Eine westdeutsche Finanzgruppe übernahm 1993 das Grundstück. Bei dem Umbau und Restaurierung der Gebäude ließ der Auftraggeber den noch gut erhaltenen Saal abreißen. Heute besitzt das Hotel und Gasthof „Zum goldenen Hirsch" vierzig Fremdenzimmer und einen Versammlungs? bzw. Tagungsraum. Der Gastraum bietet siebzig Personen einen angenehmen Aufenthalt. Im Sommer wird die Freisitzfläche von den Gästen gern genutzt.

Gutswirtschaft, Kaffeehaus und Fleischverkauf in Wermsdorfer Gaststätten

Schloß-Schänke und Fleischerei Richard Woyta am Hirschplatz

Eine nicht unbedeutende Rolle von Wermsdorfer Gaststätten hatte der Gasthof „Zum roten Ochsen". Er war mit einer Gutswirtschaft verbunden. Diese Anlage bestand schon vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und eine Familie Krebs war der Besitzer. Die Besitzer wechselten oft, bis es 1738 Johann Gottlieb Rupert, Hofmetzger zu Hubertusburg kaufte. Dieser erlangte 1754 das Gastierungs?, Ausspanne? und Beherbergungsrecht für sein Gut und gab dem Gasthof den Namen „Roter Ochse". 1773 kaufte Johann August Würgau, ein Fleischerssohn aus Mügeln, die Wirtschaft. Als 1786 die Gasthof? und Wirtschaftsgebäude abbrannten, wurden die Gebäude in einem anderen Stil (mit Holzfachwerk) wieder aufgebaut. Die Familie Würgau hatte das Anwesen bis kurz vor dem 1.Weltkrieg. Friedrich Otto Kretzschmar übernahm 1912 den gesamten Besitz und sechszehn Jahre später übergab er den Betrieb mit Steinbruch, Fuhrunternehmen und Landwirtschaft seinen beiden Söhnen. Seine Tochter mit ihrem Ehemann führten als Pächter den dazu gehörigen Gasthof „Zum Roten Ochsen", den sie für die damalige Zeit modern einrichteten. 1956 war der Gasthof eine staatliche HO Gaststätte und beherbergte FDGB?Feriengäste, die in Wermsdorf weilten. Mit seiner Freisitzfläche war die Gaststätte ein beliebtes Sommerziel auch für Busausflüge von nah und fern. Das gegenüberliegende Alte Jagdschloss mit seinem Park stellte eine besondere Kulisse für die Gäste dar. Der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Wermsdorf kaufte 1974 die
Gaststätte, die zu diesem Zeitpunkt schön länger geschlossen war. Mit dem Umbau des Hauses entstanden Büroräume sowie ein Speise? und Clubraum. Bis zur Wende (Wiedervereinigung) blieb es Verwaltungshaus des Forstbetriebes Wermsdorf. Im Dezember 1994 kaufte das Grundstück Holger Lüderßen und richtete ein Steuerberatungsbüro ein. Die in diesem Gebäude ständig vorhandenen Wohnungen blieben bis heute erhalten.
Eine der ältesten Gastwirtschaften war„ Nussbaums Restaurant" in der Oschatzer Straße 6. Das Gebäude wurde 1731 von Michael Stocke gekauft und für den Kaffeeschank eingerichtet. .Diesem Gebäude gegenüber erbaute man 1749 ein Haus ( Oschatzer Straße 5) für die Mitglieder der königlichen Oper zu Hubertusburg. Sie nahmen die Bequemlichkeit wahr, im „Kaffeehaus" einzukehren. Die Besitzer wechselten oft und 1912 kaufte das Grundstück Studienrat Fleischhammer als Geldanlage und verpachtete einen Teil davon an Fleischermeister Otto Schubert. Dieser betrieb die Gastwirtschaft und richtete einen Fleischverkauf ein. Die Fleischlieferungen kamen von der nahe liegenden Fleischerei Nietzschmann in der Oschatzer Straße. Fleischermeister Richard Nußbaum kaufte 1921 das Grundstück und erweiterte es mit Ausbau eines Geschäftes für Fleisch? und Wurstwaren. Der Einbau einer Kegelbahn im Jahre 1925 , die als Bundeskegelbahn anerkannt wurde war für die Gastwirtschaft ein Anziehungspunkt. Die Gaststätte war Treffpunkt einiger Wermsdorfer Vereine, besonders der Turner. Frau Nußbaum führte das Restaurant bis 1954. Eine Teilvermietung an die HO?Lebensmittel Wurzen?Oschatz erfolgte im April 1950. Es war das erste HO?Geschäft in Wermsdorf. Die restlichen Räume mietete der Konsum, dadurch war eine Einkaufsstätte mit verschiedenen Angeboten geschaffen.
Am Wermsdorfer Hirschplatz bekannt und beliebt war die„ Schloßschänke" mit Fleischerei von Richard Woyta. 1925 kaufte Fleischermeister Woyta, der zuvor in der Fleischerei Nietzschmann in Wermsdorf arbeitete, das Grundstück mit Restaurant. Eine angrenzende Scheune eignete sich für den Umbau einer Fleischerei. Die Arbeit hatte sich gelohnt mit einem guten Geschäftsgang. Im schattigen Garten, mit dem Blick auf das Alte Jagdschloss, fanden die Gäste Entspannung und eine gepflegte Bewirtung vor. Die Vereine „Wermsdorfer in Leipzig" und „Wermsdorfer in Dresden" kehrten zu ihren Heimattreffen gern in der Schlossschänke ein. In der Zeit, als Wermsdorf vom FDGB als Ferienort auserwählt wurde, vermietete auch die Schlossschänke Unterkünfte für die Urlauber. Der einzige Sohn, der das Geschäft übernehmen sollte, war im Zweiten Weltkrieg gefallen. Altershalber war es nicht möglich, Fleischerei und Restaurant weiterzuführen. Beide Geschäfte übernahm die HO 1959.
Im Jahre 1740 kaufte der Amtsziegelmeister Johann Gottlob Strauch ein Stück Feld an der Oschatzer Straße und erbaute auf demselben 1741 ein Gasthaus, das den Namen „Kurfürstliches Hofwirtschaftshaus zum goldenen Strauß" führte. Strauch verpachtete es 1742 an Johann David Blutz mit allem Inventar. Blutz erhielt die Genehmigung zur Betreibung der Wirtschaft an Speisen und Getränken. Der Gasthof wechselte seine Besitzer oft bis 1850. In diesem Jahr kaufte ihn der Fleischermeister Karl August Brause für 5000 Taler. Zehn Jahre später starb Brause und Fleischer Karl Wilhelm Ulrich heiratete dessen Witwe und übernahm den Gasthof. Ulrich führte 1872 und 1887 verschiedene An- und Umbauten am Gasthaus aus. 1888 übernahm sein Stiefsohn Bruno Brause den Gasthof mit Landwirtschafts? und Fleischereibetrieb. Dazu erwarb Bruno Brause 1892 den „Goldenen Hirsch" und vereinigte die Feldgrundstücke. Bereits nach sechs Jahren verkaufte B. Brause wieder den goldenen Hirsch mit allem Zubehör an Hugo Curth.
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