Der Wermsdorfer Wald hat eine lange wechselvolle Geschichte vorzuweisen.



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Wermsdorfer Wald

Der Wermsdorfer Wald hat eine lange wechselvolle Geschichte vorzuweisen.


Station Wermsdorfer Wald

Der Wermsdorfer Wald, ein Landschaftsschutzgebiet unweit von Leipzig hat eine lange wechselvolle Geschichte vorzuweisen. Da die Entfernung zu den großen Städten gering ist, wurde das Waldgebiet rund um Wermsdorf bis hin zum Collmberg gern von Erholungssuchenden Städtern aufgesucht, um in der reizvollen Landschaft neue Kraft zu tanken. Der Wald und die Forstwirtschaft wurden nachhaltig durch die Herrschaft der sächsischen Kurfürsten geprägt. Im Jahre 1565 kaufte Kurfürst August (1533-1586) neben den Dörfern Wermsdorf und Mahlis auch große Teile der Mutzschener Heide, wie der Wermsdorfer Wald damals genannt wurde. Neben einem neuen Jagdrevier hatte er sich somit auch eine neue Einnahmequelle durch den Verkauf von Holz erschlossen. In der östlichen Hälfte des Waldes hatten die Meißner Bischöfe erhebliches Eigentum, danach ist das heutige Naturschutzgebiet „Klosterwiese“ benannt. 1591 umfasste der Baumbestand vorwiegend Eichen, Aspen, Buchen und Birken, sowie einzelne Fichten und Kiefern. Der Wald hatte zu damaliger Zeit an den Folgen des hohen Holzeinschlages und der intensiven Beweidung zu leiden. Nach dem 30-jährigen Krieg kam es hingegen aufgrund des starken Bevölkerungsrückgangs zu einer Überalterung der Gehölze, da weniger Holz verbraucht wurde. 1692 führte Kurfürst Johann Georg IV. erstmals eine Parforcejagd zur Probe durch. Er hatte diese Art zu Jagen 1685 in Frankreich kennengelernt. Bei dieser Jagdmethode wird das Wild von speziell ausgebildeten Hunden und von berittenen Jägern gehetzt, bis es in die Enge getrieben wird und sich den Reitern stellen muss. Dem Wild wird dann von einem der Jäger mit einem Hirschfänger (einer 40-70 cm langen Stichwaffe) der Todesstoß versetzt. Nach dem Tode des Kurfürsten 1694 kam sein Bruder Friedrich August I. (August der Starke) an die Macht. Auch er zeigte sich begeistert von dieser Jagdart und so beauftragte er Fürst Egon von Fürstenberg 1699 mit der Neueinteilung des Wermsdorfer Waldes. Dieser entwarf ein Schema von rechtwinklig schneidenden Wegen, auf denen die kurfürstliche Jagdgesellschaft dem Wild gut folgen konnte. Dafür wurden neue Wege angelegt und Brücken gebaut. Einige der alten Wege wurden dennoch erhalten, z. B. das Alte A, der Butterweg oder der Reichsapfelsteig. Die Parforcejagden prägten viele Jahrzehnte lang das Wermsdorfer Ortsbild. Als mit dem Ende des 7-jährigen Krieges die „goldenen“ Zeiten von Schloss Hubertusburg vorbei waren, ging es auch mit der Parforcejagd bergab. 1826 wurde schließlich die letzte ihrer Art im Wermsdorfer Wald abgehalten. Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Forstökonom Heinrich Cotta nach Wermsdorf gebeten, um einen Waldsanierungsplan für den, nach dem Durchzug der Napoleonischen Truppen, arg in Mitleidenschaft gezogenen Wald zu entwickeln.

Im FasanenholzAltes JagdschlossKönig AlbertTourismusWermsdorfer WaldJagdschloss
Nach dem Gutachten Cottas war der Waldboden durch uneingeschränkte Streunutzung in sumpfigen, tonigen Morast verwandelt worden, was es schwierig machte, wieder Holzpflanzen anzubauen. Um eine Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit zu erreichen, schlug er vor, Nadelgehölze als Übergangslösung zu pflanzen. Der Forstinspektor Carl Wilhelm Zinkernagel, entwickelte ein spezielles Pflanzverfahren für die Baumart Fichte, damit sie trotz der schwierigen Bodenbedingungen gut gedeihen konnte. Da die Fichtenbestände jedoch gute Erträge brachten, wurden sie weiterhin angepflanzt, ohne darauf zu achten, dass sie nicht standortgerecht und damit besonders anfällig waren. Innerhalb dieser Monokulturen trat demzufolge häufig Schädlingsbefall auf, woraufhin Kahlschläge nötig wurden. Während 1822 die Laubbäume noch mit 90% dominierten, kehrte sich das Bild bis 1931 vollständig um. Zu dieser Zeit betrug der Anteil an Laubgehölzen lediglich 8 % während Nadelholz einen Anteil von 92% hatte. Zur Zeit der Regentschaft des bei der Wermsdorfer Bevölkerung sehr beliebten Königs Albert (1873-1902), wurden nach langer Abstinenz wieder Jagden durchgeführt. Diese Hofjagden fanden jedoch in einem viel geringeren Umfang statt, als die riesigen Parforcejagden vergangener Zeiten. Ab 1932 erfolgte in der Forstwirtschaft, auch aus Angst vor Erosion, die Hinwendung zu naturnahen Waldbeständen und es wurde mit der Wiederaufforstung begonnen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde, wie schon in den vergangenen Jahrhunderten, Raubbau an dem Wald begannen, sei es als Vergeltung der Siegermächte oder für den Kampf ums Überleben der Bevölkerung. Die russischen Besatzer nutzten nicht nur das Holz für ihre Zwecke, sondern dezimierten auch den Wildbestand erheblich. Teile des Waldes waren zum Militärsperrgebiet erklärt worden. Ab den 60er Jahren wurde wieder ein standortgerechter Laubmischwald angepflanzt, jedoch hatten die Wälder mit den Auswirkungen der Energiepolitik der DDR zu kämpfen. Durch die massenhafte Verbrennung von Braunkohle wurden immer mehr Schadstoffe, wie Schwefeldioxid oder Stickstoff in der Luft angereichert. Viele Bestände wurden dadurch geschädigt. Nach der Wende wurde das gleiche Ziel verfolgt, wie vor 75 Jahren; ein langfristiger Waldumbau von Nadelholz zu Laubholzmischbeständen. Des Weiteren wird heutzutage versucht, auf Kahlschläge zu verzichten, um die Nachhaltigkeit der Waldbestockung und die Erhaltung der Waldfunktionen zu sichern. Auch heute noch umgibt das Waldgebiet mit seinen stillen und romantischen Waldteichen eine besondere Atmosphäre. Nicht zuletzt seinem Waldreichtum ist es zu verdanken, dass Wermsdorf durch die sächsischen Kurfürsten zu einem besonderen Dorf geworden ist.

GrenzsteinHirschfängerJagdSchloss HubertusburgWenn die Jahresringe reden könntenWermsdorfer Wald

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