Die Völkerschlacht bei Leipzig hatte ihr Ende auf Schloss Hubertusburg und im Lindigt.



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Die Völkerschlacht bei Leipzig hatte ihr Ende auf Schloss Hubertusburg und im Lindigt.


Hubertusburg im Herbst 1813

Heimatfreund Claus Wappler fand einen interessanten historischen Wermsdorfer Zeitungsbericht von 1913:

Da das Schloss Hubertusburg lange nach seiner Zerstörung im siebenjährigen Kriege leer und zwecklos stand, ward es armen Bewohnern zu „freier Wohnung“ überlassen, 1791 aber zu einem mächtigen Militärmagazin bestimmt, in dem 1792 schon fast 18 000 Scheffel Korn, an 9000 Schock Hafer und an 7500 Zentner Mehl lagerten. Im Jahre 1813, am 2. März, ward es zum Lazarett für die sächsischen Soldaten bestimmt und musste geräumt werden von den Beamten, die nur vorübergehend hier wohnten, sowie von den hier „frei“ wohnenden Landarmen. In die Wohnungen wurden die Offiziere, in die Magazinräume die kranken Mannschaften gelegt. Die besseren Zimmer bezogen militärische Beamte, Ärzte und Offiziere, nur das königliche Absteigequartier blieb ungenutzt. Da die Soldaten das Lazarett und seine Umgebung wegen der Ansteckungsgefahr mieden (mit einer Ausnahme: ein franz. Streifkorps nahm trotz aller Bitten Quartier im Schlosse und stellte sogar leichtsinnigerweise 17 Wagen mit Pulver und Schießvorrat im Hofe auf), so blieb Hubertusburg von großen Einquartierungen verschont. Aber bald vermehrten sich die Kranken. Am 25. Juli 1813 ward noch ein französisches Lazarett errichtet. Da alle Räume gebraucht wurden, stellte man im Schlosshofe hölzerne Baracken auf, sogar eine Küche, in der Tag und Nacht gekocht wurde (Feuersgefahr!). Kesselweise wurde Reis für die „Durchfälligen“ zubereitet. Nach der Schlacht bei Dresden, 26. und 27. August, waren naturgemäß die Lazarette daselbst überfüllt. Diejenigen, die sich noch fortbewegen oder gefahren werden konnten, wurden von der Elbe westwärts geleitet, und verbreiteten das Nervenfieber allerorten. Am 12. September lagen in Hubertusburg 600 Kranke, im Schlosshofe aber Infanteristen als Bedeckung. Als Mansdorff das Schloss überfallen wollte, kam es zu einem kurzen Gefecht – Mansdorff ließ ab. Ende September lagen in den Lazaretten zu Dresden noch 12 000, in Leipzig 20 000 und in Torgau 12 000 Kranke. Der Kaiser Napoleon sah in diesen ein Hindernis bei seinen Bewegungen. Am 26. September befahl er daher, dass alle Kranken und Leichtverwundeten von Dresden nach Leipzig gebracht werden sollten und von da nach Erfurt-Mainz. Von nun an zogen viele Tausende auf der großen Straße durch Mittelsachsen, und auch nach unserer Heimat kamen viele dieser Unglücklichen. Hubertusburg war eine Stätte des Grauens. Der Tod hielt fürchterlich reiche Ernte; wer nicht seinen Wunden erlag, den raffte das entsetzliche Lazarettfieber hinweg.

Völkerschlacht 1813Junger NapoleonVölkerschlachtdenkmal 1913EinquartierungenKochfeuer im HofLazarett
Bald wären aber doch verbündete Streifscharen in diese gemiedene Gegend gekommen – der Krieg kennt ja kein Gebot der Schonung – aber ein gütiges Geschick hat Hubertusburg vor den Gräueln eines größeren Gefechts bewahrt, wie sie Blücher uns zugedacht hatte. Am 5. Oktober schrieb nämlich Blücher dem Kronprinzen: „... nach allen Nachrichten über die Stellungen des Feindes muss man annehmen, dass er 3 Armeen gebildet hat. Die Streifkorps Ew. Kgl. Hoheit... werden Nachrichten (von der Saale her) geben, während diejenigen der Schlesischen Armee gegen Wurzen und Hubertusburg vorgehen, um des Feindes Märsche zwischen Leipzig und Dresden (und somit eine Vereinigung) aufzuhalten...“ Dazu kam es nicht. Nur gewaltige Massen Franzosen zogen von Dresden nach Wurzen. Napoleon selbst traf am 8. in Wurzen ein. Seine Heerteile standen derart: Junge Garde bei Wurzen. Alte Garde zwischen Wurzen und Oschatz in Staffeln, 2. Reiterkorps bei Dahlen, weiterhin bei Taucha, Machern, Eilenburg, Schildau, Torgau. Für den 9. erwartete Napoleon eine Schlacht, zu der er 150 000 Mann heranziehen konnte.
In der Nacht vom 6. September gab Napoleon die Befehle aus. Die alte Garde sollte nach Wurzen (als Reserve) die junge Garde nach Eilenburg gehen, das 11. Korps Mac Donald, dass in und bei Dahlen lagerte, sollte früh 6 Uhr nach Mockrehna (bei Eilenburg) ziehen usw. Bevor Napoleon Wurzen am 9. früh verließ, schrieb er an den Gouverneur von Torgau: „Ich marschiere heute auf Düben, morgen auf Wittenberg. Entweder ich liefere dem Feinde eine Schlacht, wo ich mit Gottes Hilfe einen vollen Erfolg zu haben hoffe oder...“ Also er wollte erst die Armeen des Kronprinzen von Schweden und die Blüchers einzeln schlagen, dann nach Leipzig ziehen und die Böhmische vernichten. Die war unterdessen vom Erzgebirge bis nach Altenburg, Borna und Penig gelangt. Aber am 10. ungefähr begann ihr Linksabmarsch, nach Westen der Saale zu, um sich hinter der Saale mit Blücher zu vereinen und dann Napoleon zu schlagen. Noch am 13. wollte Schwarzenberg die Armeen nach links verschieben und eine Schlacht vermeiden. Auf Beurteilen des Zaren war dieser Plan verworfen und das Vorgehen zur Schlacht befohlen. Die noch weit zurückstehenden Truppen der polnischen Armee sollten ebenfalls in der Schlacht mitwirken und marschierten von Dresden her nach Nossen. Die Vortruppe unter General Grautz lag diesen Abend bei Nossen. In der Nacht ward das Regenwetter heftiger und hielt auch den 14. an, bis es in der Nacht zum 15. am schlimmsten ward. Da die Wege aufweichten, ging der Vormarsch der polnischen Armee langsam vonstatten, nur General Grautz kam vorwärts und dabei auch nach Hubertusburg.Er drang von Nossen in Richtung Wurzen vor und kam zuerst nach Mügeln. Von hier aus ließ er Reiter vorgehen auf die Straße Leipzig – Wurzen – Dresden und fing Kouriere (Eilboten) ab. Dann sandte er einen Trupp Reiter nach unserm Schlosse. Hier wurden viele Feinde gefangen, nämlich 10 Unteroffiziere, 900 Mann und viele Chirurgen, das Schloss blieb in der Hand der Verbündeten.

NapoleonBlücherSchlacht bei LeipzigUnruhige ZeitReste alten GlanzesStändige Besetzungen
Am 15. stand Grautz in Mutzschen. Eine Abteilung sandte er aber nach Oschatz, dort nahm sie 80 Mann gefangen, außerdem fing sie einen Eilboten mit sehr wichtigen Briefen von Marschall St. Gyr in Dresden an Napoleon ab. Eine 2. Abteilung ging nach Wurzen vor, geführt von Oberst Bennigsen. Da dieser Ort aber zu stark besetzt war, konnte er die Stadt nicht erobern, sondern zog sich nach Mühlbach zurück, wo er sich aber gegen feindliche Angriffe behauptete. Am 16. Oktober erhielt General Bennigsen, der von Waldheim nach Colditz marschierte, den Befehl, so schnell wie möglich nach Leipzig zu kommen, um an der Schlacht teilzunehmen. In Eilmärschen erreichte er mit dem Großteil der polnischen Armee Grimma mitternachts 1 Uhr. Um 6 Uhr früh, also am 17., trafen dort auch die Truppen unter Dochterow ein, wo sie in Strohhütten rasteten.Nach Hubertusburg kam in der Nacht vom 16. zum 17. der Graf Bubna mit der 2. leichten österreichischen Division, in Summa 9993 Mann mit 18 Geschützen. Unter diesen befanden sich folgende Bataillone: 1.) Brigade Peterwardeiner Grenzer (1.) Jäger Nr. 6, 2.) Brigade Kaiser- , Kaunitz-, Würzburg - und Erzherzog Ludwig – Landwehr, 3.) Brigade Jäger Nr. 5. – Husaren zu 1.) Lichtenstein, zu 2.) Blankenstein und zu 3.) Kaiser zu je 6 Eskadrons. Die 1. Brigade führte Gen.- Major v. Zechmeister, die 2. Oberst Wieland und die 3. Gen.- Major Graf Neipperg. Eine sechspfündige Kavallerie-Batterie hatte Brigade 1 und 3, die 2. Brig. eine Dreipfündige.
Diese Truppen kamen ganz ermüdet in Hubertusburg an. Früh am 16. hatten sie Nossen verlassen. Bei Topschädel hörte General Bubna den Donner der Schlacht bei Leipzig. Er trieb zur Eile – bis nachts 1 Uhr erreichten sie Wermsdorf – nach schwierigsten Gewaltmärschen. Rast gab es nicht lange in unserem Ort. Sie zogen nach Wurzen und vereinigten sich westlich dieser Stadt mit anderen Truppen. Es kam aber am 17. nicht zu der erwarteten Schlacht, die Soldaten konnten ein wenig verschnaufen. Während und nach der Völkerschlacht wurden im Schloss Hubertusburg Tausende von Verwundeten aller Nationen untergebracht, die Säle und Gänge hallten vom Schmerzensschrei der Amputierten und von den Fieberfantasien der Sterbenden. Die Führung von Krankenlisten unterblieb, es fehlte an schreibenden Händen. Täglich nahte ein wimmernder Strom, und ein stiller zog von dannen nach dem Lindigt am Horstsee, wo große Massengräber die ungezählten Opfer des Völkerringens aufnahmen. Das ihrer so viele eingingen, lag an der grausamen, sorglosen Behandlung der französischen Wundärzte. Morgens gingen sie durch die Säle. Rissen sie die Zettel an den Betten ab, so traten die Wärter herzu, entkleideten die Toten und trugen sie in die Leichenkammer. Wie viele hier heimgegangen sind, lässt sich genau nicht mehr feststellen, die Zahlen schwanken zwischen 7000 und 13 000. Ein Teil der Riesengräber ist mit Wald bewachsen, einen anderen bebauen arme, brave Kinder Wermsdorfs, denen das Land zur Belohnung überlassen wird. Als in den dreißiger Jahren ein besonders kluger, herzloser Müller die Gerippe ausgraben und zu Knochenmehl verarbeiten wollte, gab ihm der Justitzamtmann Bachmann in Wermsdorf die einzig richtige Antwort: „Lasset die Toten ruhen.“

Graf BubnaLetzte Ruhestätte LindigtOrt der GrausamkeitMac DonaldHeerführer SchwarzenbergGneisenau
Wermsdorf




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