Seit vielen Jahrzehnten begleitet der Steinbruch das Leben in Wermsdorf.



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Steinbruch Wermsdorf

Seit vielen Jahrzehnten begleitet der Steinbruch das Leben in Wermsdorf.


Der geheimnisvolle Stollen

Seit 1994 stellt ein Tunnel im Wermsdorfer Steinbruch Experten vor ein Rätsel (Teil I)

Von Kurt Müller
Wermsdorf. Vor 15 Jahren entdeckten Steinbruch-Arbeiter um den Chef Kurt Müller einen Stollen. Bis heute hat der Tunnel sein Geheimnis nicht preisgegeben. Und das, obwohl sich einige Wermsdorfer intensiv damit beschäftigen – vor allem seit 2008, seitdem Geschichtsfreunde um Kurt Müller und Manfred John das Geheimnis des unterirdischen Ganges lüften möchten, denn bis heute ist die Frage unbeantwortet: Welche Funktion hat ein Stollen in einem Tagebau? Kurt Müller schreibt dazu:
1994 an der Westwand des Steinbruches. Der Baggerfahrer traut seinen Augen nicht, als die letzten schweren Brocken in der Schaufel verschwinden.
Zwischen Fahrerkabine und Bruchkante kommt ein größeres Loch am Fuß der beräumten Felswand zum Vorschein. Das lockere Gestein und einige größere Felsstücke lassen sich schnell beiseite schaffen. Vor ihm liegt die Öffnung zu einem begehbaren Gang, der geradewegs zehn Meter in den Berg führt.
Über einen nach oben führenden Schacht ist das Ende mit Gesteinsgeröll verfüllt. An einigen Stellen beträgt die Höhe 1,20 bis 1,60 Meter. An wenigen anderen Punkten kann man auch aufrecht stehen. Der Querschnitt wird mit 60 Zentimetern, jedoch nicht mehr als 80 Zentimetern angegeben. Ein erwachsener Mensch kann sich hier „unten“ nur in gebückter Haltung „Wand an Wand“ vorwärts bewegen.
Die Sohle ist in diesem Teilabschnitt mit einer festen, feinkörnigen Gesteinsschicht bedeckt. Wir finden Reste von Bohrlöchern sowohl im Deckenbereich als auch im Fußbereich. Der Durchmesser der Bohrungen beträgt 22 und 23 Millimeter. Im Deckenbereich ist das Halbrund 20 bis 30 Zentimeter langer, fast waagerecht gebohrter Löcher gut zu erkennen. Da das Bohrgestänge stets im leichten Winkel nach oben führt, können Bergbauexperten sicher die Vorwärts- und Abbaurichtung bestimmen.
Schnellstmögliche Fertigstellung des unterirdischen Bauwerks könnte einst ausschließlich Priorität gehabt haben. Davon zeugen die in grober Art und Weise brachial aus dem Fels herausgesprengten Seitenwände und Deckenpartien. Es ist nicht ausgeschlossen, dass eigens die im früheren Kupferschieferbergbau unter Tage verwendeten leicht handhabbaren Bohrmaschinen, Gestänge und Bohrkronen bis 24 Millimeter Durchmesser, auch während der Vortriebsarbeiten in der Steinröhre eingesetzt werden.
Durch das ständig drehende und schlagende Bohren im harten Felsgestein, verringerte sich auch fortwährend der Bohrkronendurchmesser. So kam es, dass die stehen gebliebenen Reste der Fußlöcher, so genannte „Bohrlochpfeifen“, einen bis zwei Millimeter kleineren Durchmesser aufweisen.

Fotos : Thilo Blamberg

Geheimnisvoller GangSteinbruch WermsdorfJens Fritzsche und Kurt MüllerManfred JohnSonnenuntergangSteinbruch Wermsdorf

Welche Funktion hat ein Stollen in einem Tagebau?


In seiner Erinnerungen schreibt Kurt Müller dazu: Die Entdeckung des Stollens blieb nicht lange geheim. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht zuerst im Betrieb, dann im Dorf, und am 11. August 1994 erscheint ein Artikel in der Oschatzer Allgemeinen: „Rätselhafter Gang im Steinbruch freigelegt“. Im Betrieb geben sich danach viele fremde Leute ein Stelldichein. Spät abends, besonders an den Wochenenden, auch sonntags in aller Frühe wird an dem zum Teil 20 Meter hohen Bruchwänden, Halden und Absturzkanten herumgekraxelt und gesucht.
Erst mit dem nahenden Herbst, als das Wetter wieder ungemütlicher wurde und die Störche längst ihren Überlandflug nach Afrika angetreten hatten, verflüchtigen sich auch die letzten Spurensucher.
Als im Frühjahr 1995 und 1996 umfangreiche Abraumarbeiten oberhalb des Tunnelbereichs erfolgten, werden weitere Schachtöffnungen und versperrte Abschnitte freigelegt. Luftmasten werden gesetzt und Einbruchsstellen abgesichert.
Es ist ein Unterschied für die Männer, ob sie sich bei Tageslicht auf sicheren Pfaden im Steinbruch oder in einem engen, niedrigen Felstunnel bewegen, in dem schon nach wenigen Metern nur noch Finsternis herrscht.
Das Begehen der unterirdischen Anlage ist eine Angelegenheit, die gut überlegt sein muss. Es besteht immer die Gefahr, dass aufgrund unzureichender Luftzufuhr Atemnot eintreten kann. Schon das Empfinden, in dem engen Felsgestein eingeklemmt zu werden, kann Verwirrung auslösen. Wir führen immer ein offenes Licht mit. Die brennende Flamme zeigt an, ob genügend Sauerstoff vorhanden ist. Zur Ausrüstung gehören feste Kleidung, Helm, Arbeitshandschuhe und Gummistiefel.
Weitere wichtige Hilfsmittel sind Gruben- oder Kopflampen und ein Sicherheitsseil. Wir können uns hier unten nur vorsichtig – Schritt für Schritt – bewegen. Die Verständigung untereinander ist gut, doch schon wenige Meter weiter schluckt der Hohlraum alle Laute. Der Schlamm schmatzt unter den Füßen, Wasser tropft herab. Einige von der Decke heruntergefallene Steine müssen weggeräumt werden.
Dreißig Meter sind wir jetzt vorwärts gekommen. Abraum versperrt uns den Weg. Die Männer hocken oder stehen in gebückter Haltung an den engen Wänden, wischen sich den Schweiß von der Stirn, atmen richtig durch und schlürfen aus ihren Wasserflaschen. Pause ist angesagt, hier im tiefen Felsgestein. Der Porphyrtunnel funktioniert wie eine natürliche Klimaanlage seit vielen Jahren fehlerfrei, bei konstant 8 Grad Celsius

ErforscherTiefeEngZufriedenGeschafftDunkel
Beim aufmerksamen Betrachten der Bruchwände erkennen wir, „wie der Stein gewachsen“ ist. Wir können Klüfte, Lagerungsformen, plattige Absonderungen und die Schichtungen des Gesteinskörpers unterscheiden. Bald schon kann wieder Gesteinsgeröll, Abraum und Schlamm mit Wassereimern durch den engen Tunnel getragen und nach draußen befördert werden.
Im Lichtkegel der Grubenlampe wird die Entfernung auf einem ausgerollten Bandmaß abgelesen und der Standort in das Kartenwerk eingetragen. 20 Meter hoch über uns liegt Felsgestein und Haldenmaterial. Das Gewölbe, die Abdeckungen, Stahlplatten und Träger sind riesigen Druckbelastungen ausgesetzt. Vorsichtig setzen die Männer ihren Weg fort. Bereits nach wenigen Schritten verschwindet er hinter einer nächsten Biegung. Die in diesem Streckenabschnitt herausgearbeiteten Decken- und Seitenwände zeigen typische Spuren von Schlegel und Eisen.
Mit leichtem Gefälle windet sich die dicke Röhre scheinbar ziellos weitere zwanzig Meter in den Berg hinein. Nach einigen Minuten erreichen die Männer das Ziel.
Das Ende des Ganges ist mit Bausteinen und Gesteinsplatten – Stein auf Stein – versperrt. Im Fußbereich befindet sich eine Öffnung, durch die Wasser abfließen kann. Durch den Abfluss schieben wir ein Teleskop. An der Spitze ist ein kleiner Strahler befestigt. Auf dem Bauch liegend kann man die Messlatte punktgenau – Meter für Meter – durch die immer enger und enger werdende Kanalöffnung schieben. Im Schein der Lampe wird festgestellt, dass die gemessene, eingebaute Gesteinspackung weitere acht Meter stark ist.
Im immer schwächer werdenden Schein des Teleskoplichtes können in der Folge weiter 10 bis 15 Meter Tunnelweg festgestellt werden. 60 Meter lang ist der begehbare Teil der unterirdischen Anlage, die sich hinüber zum Kirschberg und Tiefen Teich durch tiefes Felsgestein zu schlängeln scheint.
Bis heute ist nicht geklärt, welche Funktion der Gang hatte. Nur die unbekannten Bergmänner aus längst vergangener Zeit wissen, für welchen Zweck er einst angelegt wurde.
Auch Manfred John und Gabi Liebegall schreiben in ihrem Buch Gebunkerte Geheimnisse über den Steinbruch.

19941996GangSteinbruch WermsdorfLVZ 1994Nach der Arbeit
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