Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt betrieb in Wermsdorf ein Müttererholungsheim.



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Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt betrieb in Wermsdorf ein Müttererholungsheim.


NSV- Müttererholungsheim in Wermsdorf

Im barocken Gebäude der ehemaligen Posthalterei und der späteren Oberforstmeisterei Wermsdorf, wurde im Jahr 1935 eine Stelle der größten Massenorganisation des „Dritten Reiches“ etabliert, die NSV. Die Einrichtung der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) war ausschließlich als „Erziehung zur Selbsthilfe“ gedacht, und der NSDAP
unterstellt. Der damalige Wermsdorfer Bürgermeister Boßdorf berichtet in einem Schreiben vom Juni 1936, dass im Müttererholungsheim durchschnittlich 35 Personen untergebracht sind, die alle vier Wochen wechseln.
Die Frauen mit ihren Kindern, die hier untergebracht waren, wurden auf ihre Aufgabe als Hausfrau und Mutter vorbereitet. Der Wermsdorfer Frauendienst wurde von der NSV zur Verstärkung des Personals übernommen. Es war nur den Personen der Aufenthalt erlaubt, die vorher in die NSV eingetreten waren. Die ganze Art der Wermsdorfer Anlage mit großen Garten, Beeten und Kinderspielplatz entsprach dem Hilfswerk „Mutter und Kind“. Erholungsbedürftige, kinderreiche Mütter fanden hier im Zentrum von Wermsdorf jeweils bis 4 Wochen erholsamen Urlaub. Den Müttern wurde die Betreuung ihrer Säuglinge und Kleinkinder durch Schwestern erleichtert. Die „arischen“ Frauen begleitete man während der gesamten Schwangerschaft wie auch nach der Geburt des Kindes. Die Frauenschaft, das waren junge Frauen von 20-30 Jahren bereiteten in der hauseigenen Küche das Essen für die Kinderspeisungen. Diese veranstalteten Feste, Verlosungen für das Winterhilfswerk und hielten Pflichtversammlungen ab. Schulungen in Sachen Volksgesundheit und Propaganda standen regelmäßig auf der Tagesordnung. Es galt im Sinne der NS- Ideologie die Geburtenrate zu erhöhen. Im Weltanschaulichen Sinne waren vor allen die Werbe- Abende, die den Zweck hatten, dem Führer die Frauen „zuzuführen“. Dabei wurde den Frauen nahegelegt, dass sie Dienst am Volke zu leisten hatten. Sie sollten Söhne gebären für den Krieg….
(Nach dem Polenfeldzug begann man Ende 1939 mit der
Einquartierung von Soldaten der Wehrmacht und leicht Verwundeten. Es ist anzunehmen, dass nach 1939 der NSV auslief.)

Ansichtskarte 1911SpendenannonceTeller 1936Postkarte 1938Werbebriefmarke 1944Erholungsheim 1935

In einem Artikel der“ Leipziger Neuste Nachrichten“ vom 24.03.1935 liest man:

In dem idyllisch am Horstsee gelegenen Wermsdorf ist in den letzten Monaten von der NSV ein Müttererholungsheim geschaffen worden, das Anfang April in Benutzung genommen wird. Die Unterbringung erfolgte in dem ehemaligen Oberforstmeistereigebäude, das an bevorzugter Stelle dem Jagdschloss gegenüberliegt. Und von einem rund 7500 Quadratmeter großen Garten umgeben ist. Das stattliche Gebäude ist etwa 200 Jahre alt und hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich als Jagd- und Unterkunftshaus der sächsischen Fürsten errichtet, diente es später als Posthalterei. Die wichtige Poststraße von Leipzig über Oschatz nach Dresden ging durch das Grundstück und die geräumige Hausflur lässt noch jetzt ihre frühere Zweckbestimmung als Durchfahrt erkennen. Der Schriftsteller Seume hat in seinem im Jahre 1801 in Grimma begonnenen Spaziergang nach Syrakus hier die erste Station gemacht, wie in seinem Buche zu lesen ist. Ein vor einigen Jahren aufgefundenes, leider sehr beschädigtes altes Wappen mit dem polnischen Reiter, das jedenfalls aus der Zeit der früheren sächsisch – polnischen Beziehungen stammt, ist an der Ecke der Einfriedungsmauer eingefügt. So verknüpfen sich mit diesem Gebäude mancherlei historische Erinnerungen. Nach Aufhebung der Oberforstmeistereien diente das Gebäude Wohnzwecken und ist nun durch einige Umbauten und gründliche Instandsetzung seinem neuen gemeinnützigen Zwecke nutzbar gemacht worden. Die nicht unbeträchtlichen Kosten trug zum kleineren Teil der sächsische Staat, zum größten Teil die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. Einen Teil der benötigten Einrichtungsstücke stammt aus dem früher im Jagdschloss Wermsdorf untergebrachten und wegen dessen anderweiter Belegung aufgelösten Heim des Verbandes Sächs.Höh.Staatsbeamten und wurde von diesem schenkungsweise überlassen. Das Gebäude enthält in drei Geschossen etwa 30 Räume verschiedener Größe mit einer Gesamtfläche von 660 Quadratmeter und eignet sich nach den erfolgten Veränderungen sehr gut für die Unterbringung von 30 bis 40 Müttern. Alle Räume sind einfach und geschmackvoll ausgestattet und in freundlich lichten Tönen gehalten, so dass sie einen sehr anheimelnden Eindruck machen. Im Erdgeschoß liegen die Wirtschaftsräume, Speisezimmer, Unterhaltungsräume und die Diensträume der Leiterin, im ersten Obergeschoß Wohn- und Schlafräume. Im Nebengebäude sind die Wohnungen des Hausverwalters und Gärtners, Waschküche und Lagerräume unter-gebracht. Die Bauarbeiten erfolgten unter Leitung des Amtsbaumeisters Berger vom Landbauamt Leipzig. Das Heim stellt ein wertvolles Glied in der sozialen Fürsorge dar; es wird sich bald großer Beliebtheit erfreuen und reichen Segen stiften.

Ansichtskarte 1939Gartenansicht 1939Verlag  M. MüllerNSV Portal 1939Poststation 1935Innenansicht 1938
Postkarte NSV (Vorderseite), geschrieben von Elsa Reißig am 23.6.1938.Postkarte NSV (Rückseite), geschrieben von Elsa Reißig am 23.6.1938.EmailleschildMaschinenwerbestempel München NSV



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