Auch in Wermsdorf hat der Nationalsozialismus tiefe Spuren hinterlassen.



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Nationalsozialismus Wermsdorf

Auch in Wermsdorf hat der Nationalsozialismus tiefe Spuren hinterlassen.

Das Schicksal eines Kriegsgefangenen aus Frankreich im 2. Weltkrieg in Wermsdorf

Grabstelle auf dem Friedhof
erforscht und aufgeschrieben von Frau Christdore Wetzig Wermsdorf

Der Zweite Weltkrieg hatte bereits Mitte des Jahres 1940 seine Spuren hinterlassen. Berichte von Kriegsschauplätzen, Vernichtungsschlachten, vom Polen- und Norwegenfeldzug standen in den Zeitungen. Der größte Feldzug aller Zeiten – so wurde geschrieben – sollte der Feldzug in Frankreich mit 1,9 Millionen Gefangenen gewesen sein.
Nach Deutschland ging der Weg der Kriegsgefangenen, und im Spätsommer 1940 kamen in unser Gebiet Franzosen, auch nach Wermsdorf. Das Lager wurde im ehemaligen Restaurant Nussbaum eingerichtet. Zuerst konnten 15, später 20 Franzosen untergebracht werden. Die Kriegsgefangenen arbeiteten in einigen Handwerksbetrieben im Ort. Bei Sraubens in der Bäckerei, in der Schmiede von Müllers und in verschiedenen Fleischereien. Gebraucht wurden auch Helfer auf der Meierei in Reckwitz (später Volksgut) und im Schloss Hubertusburg im handwerklichen Bereich. Die Gefangenen erhielten für ihre Arbeit 1,10 Mark als Lohn pro Tag in Notgeld ausgezahlt. Die Einlösung des Notgeldes in deutsches Geld war nicht möglich.

Einkaufen auf Bestellung konnten sie nur bei Frau Nussbaum im Kriegsgefangenenlager der Franzosen. Sie verkaufte Seife, Zahnpasta, Schuhcreme, Rasierwasser, aber auch Brötchen und bekam dann Notgeld dafür. Dieses Geld, Stalag-Geld genannt, kam nach Mühlberg und wurde nach Überprüfung der Abrechnungen als deutsches Geld an Frau Nussbaum in Wermsdorf überwiesen. Stalag ist die Abkürzung für Stammlager, ein Begriff in der Organisation der Kriegsgefangenen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Frau Nussbaum kümmerte sich sehr um die französischen Gefangenen – erfüllte manchen Wunsch und wurde liebevoll Mama genannt.
Am Volkstrauertag wird aller Toten gedacht.
Die Stelle eines Postens gab es in jedem Lager. Mit einer kleinen Schreibstube eingerichtet, war er für die Arbeiten der Gefangenen und Kontrollen verantwortlich, aber auch bei auftretenden Krankheiten im Lager zuständig. Ein größeres Büro war in Oschatz von der deutschen Wehrmacht für alle umliegenden Lager erstellt worden. Von da aus erfolgte die Versorgung mit Schreibzeug, Zigaretten und Kleidungsstücken. Einmal im Monat kam ein französischer Pfarrer von Oschatz in das Wermsdorfer Lager, um Gottesdienst abzuhalten. Ein bedauerlicher Zwischenfall ereignete sich im französischen Lager in Wermsdorf. Im Pferdefuhrwerksgeschäft von Ida Lehmann in Wermsdorf arbeitete der französische Soldat Henri Degeilh als Geschirrführer. Bei den vorliegenden Aufträgen war unter anderem täglich das Postgut vom Bahnhof Wermsdorf abzuholen und zum örtlichen Postamt zu bringen. Der Geschirrführer wusste genau, wer von den Gefangenen Pakete erhielt. Die Auslieferung dieser Pakete erfolgte nicht vollzählig an die Gefangenen. Dadurch wurden Beschwerden an das Stammlager eingereicht, welche dort nicht ankamen. Diese Unterschlagungen sollten mit einer Anzeige geklärt werden. Um diese Anzeige zu umgehen, musste der Zeuge Degeilh, der den Posteingang kannte, beseitigt werden.

Am 10. März 1942 wurde Degeilh von dem deutschen Lagerposten auf dem Hof des Lagers erschossen. Man warf ihm vor, den Posteingang veruntreut zu haben. Diese Beschuldigung konnte aber nicht nachgewiesen werden. Seine letzte Ruhestätte ist auf dem Friedhof in Wermsdorf. Das französische Kriegsgefangenenlager bestand bis um den 20. April 1945. Kurz vor Kriegsende erhielten die Gefangenen den Auftrag zum Rückzug in Richtung Osten. An der Elbe standen bereits die Russen, so dass wieder ein Rückzug nach Wermsdorf vorgeschrieben wurde. Bei Nussbaums war in der kurzen Zeit ein Ersatz-Lazarett eingerichtet und belegt worden, so dass eine nochmalige Belegung der französischen Gefangenen in diesen Räumen nicht möglich war. Frau Nussbaum gab den zurückgekehrten Soldaten Unterkunft in ihrem privaten Wohnbereich. In der Zwischenzeit war eine amerikanische Patrouille in Wermsdorf eingetroffen.

Ihr Aufenthalt im Ort war kurz, sie zogen sich hinter ihre Linien zurück. Ihnen folgten die französischen Kriegsgefangenen aus Wermsdorf. Diese Aktion war zwei oder drei Tage vor dem 1. Mai 1945.
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