Die Musik spielte im höfischen Leben auf Schloss Hubertusburg eine große Rolle.



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Musik Schloss Hubertusburg

Die Musik spielte im höfischen Leben auf Schloss Hubertusburg eine große Rolle.


Anfänge der Musik- und Opernkultur

Text: Axel Küttner Fotos: C.E. Wappler Gundolf Schmidt
In der traditionsreichen Geschichte der Sächsischen Staatskapelle Dresden – sie feierte in diesem Jahr ihr 460-jähriges Kapelljubiläum und wurde 2007 als erstes Orchester weltweit mit dem Preis der Europäischen Kulturstiftung für die Bewahrung des musikalischen Weltkulturerbes ausgezeichnet – nahm Schloss Hubertusburg in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine bedeutende Position ein. Zu den Herbstaufenthalten auf Schloss Hubertusburg unter König August III. (1733 bis 1763) war Oper und Musik neben der Jagd das ideale Medium kultureller, politischer und dynastisch-herrschaftlicher Repräsentation im Dienste der sächsisch-polnischen Krone. Dass bereits um 1721 bis 1724 für den Kurprinzen Friedrich August von Johann Christoph Naumann erbautem Schloss Musikdarbietungen stattfanden, ist eher unwahrscheinlich, da der Kurprinz erst nach dem Tod seines Vaters August des Starken am 1. Februar 1733 komplett auf die Dresdener Hofkapelle zurückgreifen konnte. Auch das Heckentheater, welches sich im vom Gärtnermeister Perisch angelegten Schlossgarten befand, diente möglicherweise ausschließlich den Liebhaberaufführungen des kurprinzlichen Hofes, obwohl das Wetter im Oktober und November dieses eher unwahrscheinlich machten. Nach dem Tod August des Starken pflegte der neue König August III. nur noch den italienischen Stil. Seine Abneigung gegen alles Französische konnte er nicht überwinden. Deutlich wird dieses am festen Engagement von Johann Adolf Hasse als neuen Kapellmeister und seiner Frau, der berühmten Mezzosopranistin Faustina Bordoni aus Italien. Schloss Hubertusburg musste noch einige Jahre auf glanzvolle Aufführungen warten, war dieses doch dem polnischen Erbfolgekrieg (1733 bis 1735) und der damit verbundenen Abwesenheit von August III. geschuldet.

Schloss HubertusburgHöfisches LebenMusikOpernJohann Adolf Hasse wirkte hier.Faustina Bordoni sang hier.
Erstmalig ist für 1736 eine Opernaufführung im Schloss Hubertusburg im Rahmen des „Jagd-Fest St. Huberti“, das „mit größter Pracht“ anlässlich des 40. Geburtstages des Königs gefeiert wurde, verzeichnet. Extra zu diesem Anlass stiftete der König August III. den „Militär-Sankt Heinrichs-Orden“, den ältesten deutschen Militärorden.
Johann Adolf Hasse weilte zu diesem Zeitpunkt zusammen mit seiner Frau in Italien und somit kam die Oper Arianna vom Kapellmeister Giovanni Alberti Ristori im steinernen Saal zur Aufführung. Der oktogonale steinerne Saal befand sich im hofseitigen Mittelteil des Naumannschen Hauptgebäudes und wurde speziell für die Opernaufführungen mit einer Interimsbühne ausgestattet. Dabei saß das „Orgester“ aus Platzgründen seitlich der Bühne. Direkt vor der Bühne saß die königliche Familie und dahinter befanden sich Bänke für Minister und Cavaliere.
Für den Herbstaufenthalt 1737 fanden unter der Anwesenheit des Königspaares, des Kurprinzen Friedrich Christian, den Prinzessinnen Maria Anna und Amalia sowie des Prinzen Xaver und der Prinzessin von Sachsen-Weißenfels und des päpstlichen Nuntius gleich zwei Opernaufführungen statt. Am 5. Oktober 1737 wurde Hasses Atalanta gespielt und zum Geburtstag des Königs am 7. Oktober Asteria, ebenfalls vom Kapellmeister Hasse. Die „Quartierrollen“ des Oberhofmarschallamtes berichten dazu, dass „die Italiänischen Operisten und Orgester so in Mutzschen einlogiret und alda vom Hoffe Bewirtet worden“ sind. Insgesamt wurden 63 Personen der Hofoper und der Hofkapelle mit Gepäck, dazu 13 Mann Soldaten in 17 Kutschen und drei Rüstwagen nach Mutzschen beordert. Zur Verpflegung dieser wurde in Mutzschen extra eine eigene „Hofwirthschaft“ eingerichtet. Insgesamt kostete dieser Aufenthalt mit Fuhrlohn 951 Taler zehn Groschen. Allerdings betrachtete man jene Summen damals nicht als enorme Belastungen für die Staatskasse, sondern vielmehr als Zeugnis des ungeheueren Reichtums und der wirtschaftlichen Stärke Kursachsens und Polens.

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Hubertusburger Operngeschichte(n)

Neben den beiden Mezzosopranistinnen Faustina Bordoni und Rosa Maria Negri und der Sopranistin Maria Santina Cattaneo waren es vor allem die Kastraten, die sich in der Oper besonders großer Beliebtheit erfreuten. Kastraten hatten die Stimme eines Knaben, waren aber mit dem Lungenvolumen eines Mannes ausgestattet. So konnten sie technisch schwierige und lange Koloraturen nahezu mühelos und ohne Luft zu holen bewältigen. Die Kastraten Giovanni Bindi, Venturio Rocchetti und Domenico Annibali wurden ab 1724 noch auf Veranlassung August des Starken in Venedig ausgebildet und traten 1730 ihren Dienst in Dresden an. Dazu kamen die Kastraten Antonio Campioli und Nicolo Pozzi. Letzterer wurde auch Nicolino genannt und sang aufgrund seiner Körperfülle in den letzten Jahren nicht mehr in der Oper, sondern nur noch in der katholischen Hofkirchenmusik. Sehr viele Kastratensänger waren groß und korpulent, was vermutlich mit dem Mangel an männlichen Hormonen zusammenhing und zu vielen Karikaturen und zu Spott führte. 1738 umfasste der Orchesterbestand der Dresdener Hofkapelle 42 Musiker. Neben Opernaufführungen spielte diese in der Hofstadt Hubertusburg auch zu Tafel- und Kammermusiken und zu Hofbällen. So wie am 7. Oktober 1737: An diesem Tag wurde nach der Oper „ein Ball in großem Saal, bis nachts um 12 Uhr gehalten. Königl. Majestäten aber wohneten solchen nicht bey“. Dieses Verhalten war typisch für König August III. Er hatte nicht den politischen Ehrgeiz seines Vaters geerbt, zeigte sich nur wenig in Gesellschaft und zog sich schnell vom höfischen Treiben zurück.

Kastraten sangen auf Schloss HubertusburgKatholische HofkirchenmusikOpernaufführungenBall im Großen SaalBarocker GlanzUmbau
Außerdem fand während des sächsisch-polnischen Herbstaufenthaltes 1737 ein Gastspiel der Prinzipalin Friederike Caroline Neuber und ihrer Comoediantenbande auf Schloss Hubertusburg statt. Dabei nutzte sie vom 3. bis 13. November 1737 auch die Interimsopernbühne des steinernen Saales für Proben und für die fünf Vorstellungen am 5., 6., 9., 10. und 13. November 1737. Zur Aufführung vor der Hofgesellschaft brachte sie den Graf von Essex, Molieres Der Geizige, Racines Iphigenie und Voltaires Alzire sowie das Lustspiel Der Dreßdner Schlendrian des Hofpoeten König. Für diese Aufführung erhielt die Neuberin Hundert Dukaten sowie den Titel einer Hof-Komödiantin. Eine weitere Einladung erfolgte aber nicht. Ursache hierfür könnte sein, dass im gleichen Jahr die Comici italiani am Dresdener Hof engagiert wurde. Diese aus 16 Mitgliedern bestehende italienische Stehgreifgesellschaft führte Komödien, Singspiele und Ballette auf. Unter ihren Mitgliedern fällt ein Name besonders auf: Giovanna Maria Casanova, genannt Zanetta. Es ist die Mutter des berühmten Abenteurers und Frauenverführers Giacomo Casanova. Genauso wie sie war auch seine Schwester Maria Maddalena Casanova im Ballett und als Schauspielerin am Dresdener Hof angestellt. In der Folgezeit gastierte sie mehrmals im Hubertusburger Schlosstheater. 1739 wurde wegen der Niederkunft der Königin die Oper auf Schloss Hubertusburg abgesagt. Nur für den Kirchgang anlässlich der glücklichen Geburt des Prinzen Clemens Wenzeslaus wurde der Kirchenkompositeur Jan Dismas Zelenka mit 14 Musikern und fünf Sängern aus Dresden nach Hubertusburg befohlen. Durch die Vergrößerung der Hofkapelle, die Rangerhöhung Kursachsens zur europäischen Macht und die damit verbundene Steigerung der Repräsentation führten in der Vikariatszeit von König August III. (1740 bis 1742) zum Entschluss, auf Schloss Hubertusburg 1741 ein eigenes Opernhaus zu errichten. Dieses neu erbaute Schlosstheater glänzte zu den Herbstaufenthalten des sächsisch-polnischen Hofes mit vielen Aufführungen und brachte bis zum Siebenjährigen Krieg eine neue Blütezeit der italienischen Oper nach Kursachsen.

Herbstaufenthalte des HofesAuch die Neuberin spielte hier.Vorstellungen vor der HofgesellschaftAuch die Mutter von Casanova  war auf Schloss Hubertusburg zu Gast gewesen.1741 entstand ein eigenes Opernhaus.Wermsdorf wurde europaweit bekannt.
Wermsdorf




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