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Menschen aus Wermsdorf, die Geschichte geschrieben haben.

Rudolf Lehmann- ein verdienstvoller Wermsdorfer

Rudolf Lehmann


Aus einem autobiografischen Text für den Rundblick gedacht;
bearbeitet und leicht gekürzt von Gundolf Schmidt

„80 Jahre sind eine lange Lebenszeit, die mir geschenkt worden ist.“ So fängt der Bericht an.
Nach Gedanken über die Kindheit und das anstrengende Studium in Leipzig kam er als Lehrer 1933 in den Kreis Oschatz. Kurz darauf auch seine Braut Wella, die er 1936 heiratete .


Hier nun Auszüge aus seinem Lebensbericht:
„Ende März 1933 verlangte der Schulleiter in Merkwitz, ich soll in die NSDAP eintreten oder schriftlich mitteilen, warum ich es ablehne. Das käme zu meinen Akten. Da ließ ich mich als Parteimitglied einschreiben. Der Schulrat forderte uns Junglehrer auf SA-Mann zu werden. Ich suchte mir das dünnste Brett und ging zur SA-Reserve, die fast nur aus älteren Lehrern bestand. Dort vergnügten wir uns mit "Morsen". In Kreinitz schließlich, wo ich im Herbst 1934 angestellt wurde, bat mich der kranke Ortsgruppenleiter wegen meiner Schreibmaschine, die Geschäfte zu führen. Dabei habe ich im Dorf niemandem Schwierigkeiten gemacht . Das bestätigte im Sommer 1945 eine Abordnung des Gemeinderates, weil sie mich als Lehrer anforderten Auch der Antifa-Ausschuß in "Wermsdorf trat für eine Wiedereinstellung ein, aber man hätte gern, daß ich auch offen mich von der Abkehr vom Nazismus bekenne. Da trat ich in die SPD ein. Das fiel mir nicht schwer.

Im Oktober 1937 wurde unsere Helga geboren und 1940 und 1943 unseren beiden Söhne Reinhard und Wolfram.
Bis Januar 1939 blieben wir in Kreinitz. Dann wurde ich nach Wermsdorf als "ständiger Lehrer" berufen und vom Schulausschuss gewählt. In diesen Tagen sind es 50 Jahre her, daß wir in Wermsdorf ansässig wurden.

Allerdings nach wenigen Monaten erhielt ich nachts die Einberufung zu einem "Lehrgang". Das war um 24.August 1939.
Der Lehrgang dauerte dann bis Mai 1945 .
Von meinen Kriegserlebnissen will ich nur kurz berichten.
Ende Oktober 1944 wurde ich dann an die Front in Ungarn versetzt. Bei den Rückzugsgefechten verloren wir unsere Batterie, und ich erhielt eine Verwundung durch einen großen Granatsplitter im Fuß. Nur weil ich neue Schuheinlagen aus schwerem Dural kurz vorher erhalten hatte, mußte der 8 cm lange Splitter die dicke Schuhsohle und die Einlage durchschlagen, bis er am Fußknochen stecken blieb. Die Einlage hatte mir den Fuß gerettet. Eine große Fleischwunde aber machte mich gehunfähig. Das war am 8.April 1945 . Auf Umregen gelangte ich schließlich nach Dahlen, von wo mich ein Bauernfuhrwerk nach Wermsdorf brachte. Das war am 15.April . Im Lazarett erlebte ich das Kriegsende und entging auch hier einem Abtransport nach Osten. Weil der sowjetische Kommandant in Wermsdorf den Schulunterricht wieder in Gang bringen wollte, wurde ich auf Bürgschaft des Schulrates und des neuen KPD-Bürgermeisters am 26.Mai 1945 aus der Gefangenschaft im Lazarett entlassen.
Damit war der Krieg für mich beendet.

Rudolf Lehmann und der Rundblick
Aus der SED wurde ich bei einer Säuberungsaktion ausgeschieden wegen meiner bürgerlichen und militärischen Herkunft.
Im Herbst 1953 hatte man mir verziehen, und ich konnte wieder Lehrer werden, zunächst in Mahlis, dann in Wermsdorf. Die acht (verlorenen) Jahre waren nicht leicht. 1946 erhielt ich eine "Neubauernstelle" in Form von 2000 m² Waldland, das ich urbar machte, aber dabei auch wegen Entkräftung umfiel. Gleich nach der endgültigen Entlassung Ende Oktober 1946 meldete ich mich als Waldarbeiter bei einer sowjetischen Militäreinheit, die 20000 fm Holz einschlagen ließ.
Dabei wurde ich auf dem Bahnhof Wermsdorf bei einer Verladekolonne eingesetzt. Dort beobachtete mich ein Offizier, wie ich alle Transporte vermaß und verladen ließ. Da wollte er mir die gesamte Aufsicht über das Kommando von 120 Arbeitern übertragen. Ich sagte, ich war doch Nazi, aber er störte sich nicht daran. "Du das gut machen I" Nun, den Chef machte ich natürlich nicht, sondern holte mir dazu Georg Streubel, ein altes SPD- Mitglied. Ich wurde Buchhalter und Rechnungsführer mit einem Stundenlohn von1,40 M.
Das "Holzkommando" ging am 24.August 1947 zu Ende. Arbeitslosigkeit stand vor der Tür.

Da las ich in der LVZ, daß in der DahIener Heide Torf gestochen würde. Mit einigen Kollegen plante ich , dort vielleicht 14 Tage im Zelt zu nächtigen und Torf zu stechen . Diese Torfaktion sollte den alten Leuten Brennstoff bringen (und uns auch). Der Bürgermeister war von dem Plan begeistert, aber der Leiter des Dahlener Torfstiches nicht. Herr Max Grille sagte: "Warum wollt ihr, denn das Wasser nach Wermsdorf schaffen. Ihr habt doch selber Torf drüben. Davon war ich zwar überzeugt, aber er sagte mir nicht, wo welcher wäre. Geologische Meßtischblätter hatte ich ja nicht. Da geschah es, daß mir ein altes Teichbuch aus dem Jahre 1840 in die Hände kam. Unser alter Teichpächter Ringpfeil hatte es mir gegeben. Auf einem Plan von den Göttwitzer-Seewiesen war genau ein Torflager eingezeichnet. Herr Grille meldete das der Torfverwertungsgenossenschaft in Dresden und er bekam das Abbaurecht. Und mir übertrug er die Organisation des "Torfwerkes Wermsdorf". Dazu hatte ich von Haus aus "Talent", Kurzum: Binnen einer Woche wurde Torf gestochen. Es wurde ein gutes Geschäft(leider nicht für mich). Hunderte von Bauern kamen und erwarben ein Stück Torfland, um Torf zu gewinnen. Herr Grille konstruierte eine Presse, mit der in Röhrenform Torf gepreßt wurde. Das waren die "Grilletten, die nach Trocknung ein gutes Heizmaterial bildeten. Als es nach Jahren genügend Briketts gab, vertrieben wir "Düngetorf ", der in einer Maschine gerissen wurde. Ich fuhr über Land und machte den Gärtnereien Angebote. Per LKW und Eisenbahnwaggons lieferten wir fast 10 Jahre lang . Dann hatte das"Entenkombinat" die ausgetorften Wiesen noch ausgebaggert und den "Göttwitzer See" angestaut. Daß wir im Torf reiche archäologische Funde machten, sei noch erwähnt.

Ich leitete das Torfwerk sechs Jahre lang , bis ich ab Oktober 1953 wieder Lehrer sein durfte. Erst in Mahlis, dann in Wermsdorf. Man wollte mich wegen meines Wahlfaches „Heimatkunde" nur als Unterstufenlehrer einstellen. Die Vorlage meines Kollegien-Buches machte aber deutlich, daß diese Heimatkunde Rudolf Kötzschkes eine Zusammenschau verschiedener Disziplinen wie Landesgeschichte, Siedlungskunde, Volkskunde, Archäologie, Geologie, Geographie und Sprache auf einem begrenzten Raum (Sachsen/Thüringen) meinte.

Bald nach dem Kriege beteiligte ich mich in der Gemeinde an der kulturellen Arbeit.
Bereits 1949 "mußte" ich das "Drehbuch" für ein Reiterfest schreiben, es organisieren und leiten. Es wurde ein schöner Erfolg.
Ich fand 1947 in dem Bürgermeister (Zahlten) jemanden, der Interesse an kulturellen Veranstaltungen hatte. So hielt er einen Vortragsabend über "Das zweite Gesicht" (Löns) und die entsprechenden Probleme. Einen Freund von mir holte ich zu einem Vortrag über Hermann Hesse. Dr. Kurt Meyer besprach die Werke, junge Frauen lasen aus den Werken und eine sehr gute Pianistin musizierte (Frau Schreiter) . Ich selber sprach über "Erdgeschichte der Heimat".

Rudolf und Ehefrau Wella
Diese und andere Kulturabende waren die Grundlage meiner späteren Kulturarbeit im Kulturbund. Wir gründeten die Ortsgruppe im Februar 1952. Ich wurde Mitglied und bald mit stellvertretenden Leitung beauftragt. Das war ich aber nur kurze Zeit und übernahm die Leitung der Ortsgruppe. 29 Jahre lang war ich der Vorsitzende, bis ich als "Ehrenvorsitzender" 1981 an Bdf. Manfred Kuntze die Leitung übergab.
Höhepunkt war die 750 Jahrfeier, die ich als Organisator und auch inhaltlich 1956 mit gestaltete. Daß ich als erster Bundesfreund im Kreis Oschatz mit der "Johannes R. Becher" Medaille in Gold ausgezeichnet wurde sei erwähnt.

Im Dorf schaffte ich mit meinen Schülern den jetzigen Parkplatz, der auf meine Initiative mit einer Reihe Birken begrünt wurde. Auch die Grünfläche vor der Eishalle gestaltete ich mit einigen Bundesfreunden. Daß wir auch Bänke im Wald aufstellten, war vergebene Liebesmüh, denn die wurden nach ein oder zwei Jahren regelmäßig zerstört.

Als Wermsdorf ein Ferienort des FDGB wurde , hatte ich bei Beginn jeden "Durchganges" einen Lichtbilderabend zu halten, für den sich viele Besucher bedankten.
Aus der Aktenforschung in Archiven erarbeitete ich die Lage der Bauern in früheren Jahrhunderten und hielt zahlreiche Vorträge. Im Januar 1956 schloß ich eine "Ehe" mit dem "Rundblick". Viele Beiträge lieferte ich seit dieser Zeit und übernahm die Propagierung bzw. den Vertrieb in Wermsdorf .

Und nun schaue ich dankbar auf mein 80 jähriges Leben zurück, das Höhen und Tiefen hatte, aber letzten Endes unter Gottes Segen stand.“

Wermsdorf , 1. März 1989
Rudolf Lehmann
Wermsdorf




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