Jagdvergnügen und Tafelkultur auf Schloss Hubertusburg bilden eine unzertrennliche Einheit.



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Jagdvergnügen und Tafelkultur auf Schloss Hubertusburg bilden eine unzertrennliche Einheit.


Parforcejagd in Zuckerwerk

von Axel Küttner
Kursachsen erlebte unter König August III. (1733 bis 1763) bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit, die von den anderen deutschen Ländern nur schwer übertroffen wurde. Mit der Erfindung des europäischen Hartporzellans und dessen weitere künstlerische Vervollkommnung in dieser Zeit, fand auch eine Veränderung der Esskultur und Präsentation statt. Nicht nur im Schloss Hubertusburg wurde getafelt, sondern auch als Teil der immer aufwendigeren Jagdzeremonien im Freien. Bereits unter August dem Starken wurde am Collm ein sechseckiges Jagdhaus, genannt "Halali", mit einer separaten Küche errichtet. Es war Treffpunkt (französisch Rendezvous) vor und zu den Jagden und zugleich immer Ziel der Jagdparade. Anlässlich des Jagd-Festes St. Huberti, das am 3. November 1736 "mit größter Pracht" begangen wurde, fand nach der Jagdparade im Jagdhaus "Halali" ein gemeinsames Frühstück für 80 bis 90 geladene Personen der Hofgesellschaft statt. Nach der erfolgreich abgehaltenen Jagd wurde hier auch die Mittagstafel abgehalten. Dabei umfasste die königliche Tafel 50 Couverts (Gedecke) und als Abschluss war als Höhepunkt eine Parforcejagd in Zuckerwerk dargestellt. Unter den Ehrengästen befanden sich der Herzog Johann Adolf II. von Sachsen-Weißenfels und der Graf Moritz von Sachsen, ein Halbbruder von König August III. Bereits Tage zuvor wurden als Vorbereitungen für das Jagdfrühstück und für die königliche Mittagstafel Teile der Hofküche, der Hofkonditorei und die "Hof-Kellerey" hierher verlegt. Zelte aufgeschlagen und mit Stühlen und Tafeln ausstaffiert, die Jagdausrüstung wurde herangefahren und die Hundemeuten untergebracht. Das Personal für die Vorbereitungen und zum Eindecken der Tafeln sowie Getränke und Speisen herangeschafft. Zehn vierspännige Kutschen waren dafür nötig gewesen. Insgesamt mussten allein das "Amt Mutzschen zu Wermsdorf" zu den Hubertusburger Herbstaufenthalten des Dresdener Hofes 82 vierspännige "Fuhren zu Küche und Kellerey auf (für die) Rendezvous" bei den verschiedenen Jagden als Frondienste leisten. Dazu kamen noch die verschiedensten prächtigen Kutschen aus dem Hubertusburger Marstall, vom Galawagen, über leichte Jagdwagen, dem königlichen Jagdküchenwagen mit dem Silberservice, bis hin zum "Wurstwagen" für den Abtransport des Wildbrets in die königliche Hofküche. Die Jagd bestimmte im Herbst den Hubertusburger Alltag. Durchschnittlich aller zwei Tage fanden jetzt Klopf- oder Streifjagden statt. Häufiger noch die aufwendigere Parforcejagd, die besser zum spanischen Hofzeremoniell passte, das auch am Dresdener Hof praktiziert wurde.

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Zuprosten und Gesundheitstrinken von Hörnern musikalisch begleitet

Traditionell wurde zum Hubertustag am 3. November nach der Messe in der Schlosskapelle eine Jagdparade zum Jagdhaus "Halali" abgehalten. So auch am 3. November 1739, nach dem Jagdfrühstück erfolgte die Jagd. Diesmal flüchtete der aufgespürte Hirsch in einen Teich und wurde durch die Königin Maria Josepha mit einem Büchsenschuss erlegt. Bei der anschließenden Mittagstafel: "Ihro Majestäten soupierten öffentlich und unter währender Tafel machte die Parforce-Jagd-Music ein Concert...". Gegen 16 Uhr kehrte die Hofgesellschaft ins Schloss Hubertusburg zurück. Da durch die Niederkunft der Königin mit der glücklichen Geburt des Prinzen Clemens Wenzeslaus bei dem 1739er Hubertusburger Herbstaufenthalt keine Opernaufführungen stattfanden, wurde die Abendtafel bereits für 18.30 Uhr angesetzt. Die königliche Abendtafel umfasste an diesem Tag für 48 Personen 160 Speisen, sowie 15 Extragerichte für seine Majestät, König August III. Dazu erklangen bei jedem Zuprosten und Gesundheitstrinken die Hörner der Parforcejagdequipage. Anschließend war noch ein Ball, jedoch ohne das Königspaar, der bis nach Mitternacht dauerte. Eröffnet wurde der Ball durch die Kinder des Königspaares. Nach der Aufführung der Oper "Numa Pompilio" vom Hofkapellmeister Johann Adolf Hasse, anlässlich des Geburtstages von König August III. am 7. Oktober 1741, "setzte sich der Hof an eine Tafel von 50 Couverts... und die Gesundheiten wurden unter Trompeten- und Paukenschall, auch Lösung deren Canonen getrunken".Am 7. Oktober 1751 besaß die königliche Tafel im großen Hubertussaal 86 Couverts. Außerdem fasste dieser Saal noch zwei weitere Tafeln: so die "Marschalls-Tafel zu 30 Couverts" und die "2. Marschalls-Tafel zu 28 Couverts". Nach der königlichen Tafelordnung saßen unter anderem an der ersten Abendtafel das Königspaar und das kronprinzliche Paar (Kurprinz Friedrich Christian mit seiner Gattin, er kurbayerischen Prinzessin Maria Antonia Walpurgis), sowie die Prinzen Carl und Xaver.An der zweiten Abendtafel versammelten sich hohe adelige Gäste und Gesandte wie die Herzogin von Kurland, die Prinzessin von Sachsen-Weißenfels, der Fürst Eugen von Anhalt und der apostolische Nuntius. An der dritten Tafel saßen obere Hofbeamte, Minister und Hofdamen. Und an der vierten Abendtafel saßen die Geheimräte, Kammerherren und Offiziere. Dabei nahm die Anzahl der Gerichte entsprechend der höfischen Hierarchie immer mehr ab. Auf die vierte Tafel kam bereits etwas vom sogenannten "Abhub" hinzu. Also solche Gerichte, die an der königlichen Tafel nicht angerührt wurden. Diese wurden in der Hofküche nochmals erwärmt, auf einfacherem Geschirr neu arrangiert und den Gästen vorgesetzt.

Auf geschichtlichem ParkettUnter Hubertusburger HimmelAm KirchenteichDurchblickIn der SchlosskapelleIm Wermsdorfer Wald

Galatage 60 verschiedene Gerichte

Zum Geburtstag von König August III. am 7. Oktober 1753 war nach der Aufführung der Oper L eroe cinese. Abends 8 Uhr ward wieder in der großen Gallerie gespeiset, und ward die Tafel von 89 Couverts." An solchen Galatagen, wie Namenstagen oder Empfängen, war König August III. durch seinen Rand als König und Kurfürst verpflichtet gewesen von Silber oder Gold zu speisen. Alle Service der Dresdener Hofsilberkammer waren auf der Unterseite mit dem Monogramm "AR3" für "Augusts Rex III" versehen gewesen. Hinzu kamen für die königliche Familie noch Cofee Topff, Thee Büchße, Eyer Schaalgen (Eierbecher), Pasteten Näpffe. Olivenöl und vergoldete Lerchen Spieße. Dabei hatte die königliche Hofküche nicht nur die königliche Familie zu versorgen, sondern auch den dazugehörigen Hofstaat, das diplomatische Korps und Teile des Hofpersonals. Da die tägliche Menüfolge der königlichen Tafel mit ihren drei Gängen leicht über 60 verschiedene Gerichte umfassen konnte, war eine reibungslose Küchenlogistik notwendig. Beginnend mit der "Mundseite", teilte sich die Hofküche aus hygienischen Gründen in eine Bratseite und in eine Backseite, sowie in Spickkammer, Fleischgewölbe, Zehrgarten (für Obst, Gemüse und Küchenkräuter), Eisgrube, Hof-Conditorey und Küchenschreiberey auf.Die Eisgrube befand sich dagegen im südwestlichen Bereich des Hubertusburger Schlossgartens, in unmittelbarer Nähe zum Horstsee gelegen. Im Winterhalbjahr wurde das Eis der zugefrorenen Wermsdorfer Teiche herausgesägt, hierher gebracht und zum Kühlen von Speisen und Getränken bis in den Sommer verwendet. Auch große Teile des barocken Schlossgartens wurden durch den Hoff-Gärthner Starcken für den Gemüse- und Obstanbau genutzt. Hinter Hecken versteckten sich Gemüsebete und Obststräucher. So pflanzte er Peter Silgen Wurtzel, Pastinack wurtzel, Sellery, Rothe Rieben, Sallat, Spargel, Schoden (Erbsen), Gurcken, Mehren (Möhren), Kraudt, Kirschen und ander Obst, Johannis- und Stachelbeeren" an. Bereits 1745 wurde der Lust- und Küchengarten bis an den Weg, der Wermsdorf mit Mutzschen über den vordersten Horstseedamm verbindet, vergrößert. Zudem standen in der Hubertusburger Orangerie in Kübeln eingepflanzte Orangenbäumchen, die im Sommer den Schlossgarten zierten.

Auf der Alten PoststraßeAm HorstseeIn der KönigslogePferde gehörten dazu.TreppenaufgangAm Tiefen Teich

Gärthgen mit einem kleinen Garthen Häusgen

Des Weiteren gab es eine "Menagerie" im Schlossgelände, die zur Aufzucht und Haltung für Kleintiere genutzt wurde. Hier züchtete man Gänse, Tauben und besaß einen "Stall für das frey herumlauffende Feder Vieh", welches auch für die königliche Tafel gedacht war. Im Herbst nutzten die Hubertusburger Einwohner außerdem das Abfischen der Wermsdorfer Teiche, um Fisch zu dörren oder in Salz zu pökeln, der dann für die Fastenzeit in den Karwochen Verwendung fand. Aber auch der Altmügelner Stoppelmarkt im September zog mit seinen Belustigungen und vielen Jahrmarktsbuden die Hubertusburger Käufer an, die sich für die bevorstehenden Wintermonate eindeckten. Genauso hatten die Hubertusburger Einwohner innerhalb des Schlossgeländes eigene kleine Gemüse- und Obstparzellen zur Eigenversorgung gehabt. Etwa vergleichbar mit heutigen Schrebergärten. So besaß der "Palais-Inspector" George Samuel Goetze in der Nähe des Hubertusburger Opernhauses seinen "Gärthgen" mit einem kleinen "Garthen Häusgen" als Geräteschuppen. Während der viermonatigen Plünderung der Schlossanlage durch preußische Truppen im Siebenjährigen Krieg (1761) waren auch die Hubertusburger Bewohner stark betroffen gewesen. So schreibt Goetze nach Dresden: "Auch ist mein Gärthgen Häusgen die Fenster, die Schlößer an Thüren, die Garthen Geräthe genommen".Besonders schmerzt Goetze aber der Raub seines Meißener Porzellans, ein "Porcellainen Tafel Service in 2. Kasten" aus seiner Wohnung. Auch die Schicht des sächsischen Bürgertums - zu der Goetze als Hofangestellter gehörte - leistete sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts das kostspielige Vergnügen des Genusses und der Repräsentation von Meißener Porzellan. Doch durch die Katastrophe des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) war aber für Kursachsen für die nächsten Jahrzehnte vorläufig nicht daran zu denken.Billigeres Geschirr wurde in der Bevölkerung benötigt, was wiederum die Entstehung und Entwicklung der Hubertusburger Steingut- und Fayencemanufaktur in diesem Zeitraum beförderte und einen neuen Nutzungsaspekt für Schloss Hubertusburg mit sich brachte.

PläneIm OvalsaalPlastik von Johann Christoph KirchnerPferdestallSchloss HubertusburgUmgeben von Natur
Wermsdorf




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