Heimatverein und Verschönerungsverein Wermsdorf e.V. Wermsdorf und die Geschichte von Wermsdorf



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Jagd

Die Jagd spielt im Wermsdorfer Wald schon lange Jahrhunderte eine wichtige Rolle.

Die Parforcejagd im Wermsdorfer Wald

Das Alte Jagdschloss
Ein Beitrag zur Heimatgeschichte von Wermsdorf

Die Ziele und die Methoden der Jagd auf Wildtiere haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte ständig verändert. Bestimmend waren dafür der technische Entwicklungsstand der Waffen und Geräte für die Jagd und die Gesellschaftsformation, in der die Menschen lebten. Diente die Jagd zum Beispiel noch bis in die Bronzezeit hinein hauptsächlich dem Erwerb von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen, so entwickelte sie sich mit Beginn des Mittelalters mehr und mehr zur Vergnügungsveranstaltung der Landesherren und des Hochadels. Grundlage dafür waren die nunmehr bestehenden Gesellschaftsstrukturen und die daraus entstandenen Jagdregale .
Hochwild wurde seit dem frühen Mittelalter bei Treibjagden oder beim Pirschen erlegt. Aber auch die Hetzjagd mit der Hundemeute und berittenen Jägern wurde besonders auf Sauen, Hasen und Wölfe gepflegt. Es gibt auch Berichte über Hetzjagden auf Rotwild. Man geht in der Annahme sicher nicht fehl, daß dem späteren Heiligen Hubertus als Pfalzgraf bei der Hetzjagd auf den Rothirsch die Erscheinung des Kreuzes auf dem Haupte des verfolgten Hirsches kam. Bei der Hetzjagd wurden Hunde verwendet, die schneller als das verfolgte Wild waren. Im Gegensatz dazu kamen bei den Parforcjagden Hunderassen in den Meuten zur Verwendung, die langsamer als das zu jagende Wild waren. So verfolgte die Meute das Wild auf der frischen Fährte mit Hilfe des Geruchssinnes unter Lautgeben und erst in der Endphase sehen die Hunde das Wild und stellen es für die Jagdequipe.
In der Sächsischen Hofgeschichte taucht der Begriff „Parforcejagd" erst im zweiten Regierungsjahr von Kurfürst Johann Georg IV. (Regierungszeit 1691 - 1694) auf. Unter dem 12. Oktober 1692 wird berichtet, daß der Kurfürst eine Parforcejagd zur Probe mit neuen Englischen Hunden und Pferden, die Parforcejäger Ziegler aus England gebracht hatte, durchführte. Es wurden bei Zabeltitz „etzliche Hasen" gehetzt.
Am10. Januar 1694 weilte der Kurfürst in Wermsdorf und veranstaltete eine Parforcejagd auf Sauen, obwohl zu der Zeit der Wald um Wermsdorf noch nicht für die Parforcejagd hergerichtet war. Anregung für die nun auch in Sachsen durchgeführten Parforcejagden hatte Johann Georg IV. sicher von seinem Aufenthalt als Kurprinz im Jahre 1685 am Französischen Hofe mitgebracht. Auch Friedrich August I. hielt sich als Prinz 1687 und 1688 in Frankreich auf und hat dort die Parforcejagd kennengelernt. Er brachte dann die „Eindrücke dieses Vergnügens“, wie er sich ausgedrückt hat, mit an den sächsischen Hof. In der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August I (als König in Polen - August II) und seinem Sohn Friedrich August II erlebte die Parforcejagd in Sachsen dann ihre Krönung.
Die Blütezeit dieser Jagdart in Kursachsen ist aber auch besonders mit der Person Anton Egon von Fürstenbergs verbunden. Friedrich August I. bewarb sich nach dem Tode von Johann Sobiesky um die Krone des Königreiches Polen. Aus diesem Grunde weilte er von März bis Juni 1697 am Hofe des Kaisers in Wien. Dort erwählte er Fürstenberg als seinen Statthalter für Kursachsen, da er beabsichtigte, nach der Krönung am 15. September 1697 seinen Aufenthalt nach Polen zu verlegen. Am 5. Juni 1697 traf Anton Egon von Fürstenberg, Heiligenberger Linie, gemeinsam mit Friedrich August I. von Wien kommend, in Dresden ein. Er hatte ebenso wie Friedrich August als Repräsentant eines in Südwestdeutschland ansässigen Adelsgeschlechtes die europäischen Metropolen bereist. Bei einem mehrjährigen Aufenthalt in Frankreich lernte er die Ausübung der Parforcejagd kennen und entwickelte sich bald zu einem exzellenten Kenner dieser Art des Jagens.
Fürstenberg erfreute sich in hohem Maße der Gunst von König August II. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, das ihm 1698 das kurfürstliche Jagdschloß Wermsdorf "nebst allen Pertinenzien mit dem völligen Nießbrauch, auch der Jagdgerechtigkeit“ auf Lebenszeit übertragen wurde. Diese Verleihung wird am l3. Januar 1702 durch allerhöchstes Rescript nochmals ausdrücklich bestätigt.
Sofort nach Übernahme des Wermsdorfer Schlosses und der „Mutzschener Heyde" begann unter Leitung Egon von Fürstenbergs die Einrichtung des Terrains für die Parforcejagd. Der Wald wurde durch Wege erschlossen, Wasserläufe und Teiche mit Brücken versehen sowie Kähne für das Übersetzen der Jäger über die Teiche angeschafft. Im Jahre 1703 fertigt Hanns Augustus Nienborg eine nicht maßstabgerechte Karte des Wermsdorfer Waldes nach einem Begang von dem damaligen Oberförster Hans Heinrich Thiele und Parforcejäger Franz Luga an. Auf dieser Karte waren die Jagdeinteilungslinien als rote Linien eingezeichnet. Sie lagerte bis 1941 im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden, wurde an das Sächsische Forsteinrichtungsamt ausgeliehen und gilt seid dieser Zeit als Kriegsverlust So ist uns leider die Waldeinteilung nach Egon von Fürstenberg nicht bekannt .
Obwohl die Einrichtung des Wermsdorfer Waldes als Terrain für die Parforcejagd noch nicht abgeschlossen war, wurde 1699 die erste Jagd abgehalten. Zu diesem Zeitpunkt waren die erforderlichen Piqueure aus Frankreich in Wermsdorf eingetroffen. Sie wurden in dem von Kurfürst August 1574 gebauten Jagdhause untergebracht. Auch die in England und Frankreich gekauften Pferde und Hunde hatten inzwischen Wermsdorf erreicht und ihr Domizil in den zum Jagdhause gehörigen Ställen und Zwingern gefunden.
Einen Einschnitt für diese Entwicklung bedeutete der Ausbruch des Nordischen Krieges, den August der Starke im Jahre 1700 gegen König Karl XII. von Schweden um den Besitz von Litauen vom Zaun brach. Nachdem die Schweden das sächsische Heer in Polen besiegt hatten, rückten sie 17o6 kampflos in Sachsen ein. Egon von Fürstenberg wollte wohl einer Begegnung mit Karl XII aus dem Wege gehen und verließ Sachsen in Richtung Wien. Von dort kehrte er erst am 27. November 1707 nach Dresden zurück. Die längere Abwesenheit hatte zur Folge, daß er als Statthalter de facto seine Stellung bei Hofe verlor und nur noch eine beratende Funktion hatte. Da er nun weniger mit den sächsischen Angelegenheiten als Statthalter befaßt war, konnte er sich mehr dem Schloß Wermsdorf widmen und die Schäden, die am Schloß von den durchziehenden Schweden verursacht wurden, ausbessern lassen.
Egon von Fürstenberg betrieb auch in den Folgejahren den weiteren Ausbau des Wermsdorfer Gebietes für die Parforcejagd und vervollkommnete die Jagdequipage durch den Ankauf edler Pferde und vorzüglicher Hunde. An Bauwerken aus dieser Zeit sollen hier das Forsthaus in Collm, 1708 errichtet, der Jagdpavillion -Halali- bei dem Dorfe Collm, 1710 gebaut, und das 1709 fertig gestellte Sauhaus in der Abteilung 73 des heutigen Forstrevieres Wermsdorf genannt werden.

Am Kirchenteich
Besonders stolz war von Fürstenberg auf die Ausstattung seiner Jagdequipage mit guten Parforcepferden, die aus Frankreich und England eingeführt wurden, aber auch auf deren Nachzucht in Wermsdorf. Große Freude hatte er ebenfalls an den "getiegerten" französischen Hunden seiner Meute. Er rühmte sich am 31.August 1710 in einem Schreiben an den Generalfeldmarschall Graf Flemming, daß er der erste sei, der über so eine vorzügliche Meute aus guten und schönen französischen Hunden verfüge, von denen in Europa fast keine mehr zu bekommen seien, so teuer man sie auch bezahlen wolle.
Die häufigere und längere Anwesenheit des Fürstenbergers hatte für Wermsdorf auch zur Folge, daß die vielfältigsten adligen Gäste bei seinen Geselligkeiten im Schloß anwesend waren. Besondere Glanztage dürften für ihn und das Schloß Wermsdorf der Besuch des Zarewitsch, des Sohnes von Zar Peter I. (Peter der Große ), vom 07. bis 11. Oktober 1710 und der Besuch des Königs August II. von Polen und Kurfürsten von Sachsen vom 21. bis 24. Oktober 1715 gewesen sein. Der Schlaganfall im Frühjahr 1713 schränkte die Tätigkeit des Fürsten in Wermsdorf stark ein und sein Ableben am 10. Oktober 1716 beendete die Ära Fürstenberg. Nicht beendet war aber dadurch die glanzvolle Ära der Parforcejagd in Wermsdorf
Obwohl Egon von Fürstenberg in einer Donation (Schenkung im Falle des Ablebens) vom 3. Juni 1713 seinen Freunden Baron von Clodt und Baron Gall neben einer nicht unbeträchtlichen Geldsumme auch die Wermsdorfer Jagdequipage vermacht hatte, übernahm August II. sie doch bald in eigene Regie. Er hatte bereits 1716 die feste Absicht geäußert, dem Kurprinzen eine glanzvolle Hofhaltung einzurichten. Ein wesentlicher Teil dazu sollte die Wermsdorfer Jagdequipage sein. Nach einem Reglement vom 22. Januar 1717 bekam Baron von Gall von Gallenstein die interimistische ( vorläufig ) Leitung der Parforcejagdequipage übertragen und erhielt den Befehl, das Jagdzeug wieder in brauchbaren Zustand zu versetzen, die in der Umgebung für die Mitteljagd erpachteten Fluren weiter in Pacht zu halten und die erforderlichen Instandsetzungen an Ställen, Zwingern, sowie Brücken und Wegen vornehmen zu lassen. Ausreichende finanzielle Mittel wurden Baron Gall zugewiesen.
Inzwischen feierte die Parforceequipage des Königs, eine solche existierte schon seit der Herrschaft des Kurfürsten Georg IV. in Sachsen, in Moritzburg luxuriöse Feste. Als der Kurprinz Friedrich August II. am 23. März 1719 von seinem langjährigen Aufenthalt an anderen europäischen Metropolen nach Dresden zurückgekehrt war, wurde bereits am 31. März in Wermsdorf eine Parforcejagd abgehalten.
Im übrigen muten die Jagdzeiten der Parforcejagden in Sachsen, vergleicht man sie mit den heutigen Jagdzeiten, dem heutigen Jäger doch recht merk würdig an.So waren nicht nur die Monate September, Oktober und November Jagdzeit, sondern auch die Monate März bis Juni wurden für die Parforcejagd genutzt. Bei der Gelegenheit der Jagd am 31. März 1719 zu Wermsdorf, übereignete König August II seinem Sohn die gesamte Wermsdorfer Equipage und räumte ihm gleichzeitig die Jagd in der „Mutzschener Haide“ und die Benutzung des Schloßes zu Wermsdorf ein.
Schloss Hubertusburg
Der Kurprinz weilte in dieser Zeit so oft es ging, häufig nur tageweise, in Wermsdorf. In diesen Jahren entwickelt sich die alljährliche Feier des Hubertustages am 3. November durch eine mit dem aufwendigsten Luxus durchgeführte Parforcejagd zu einem Fest des sächsischen Hofes in Wermsdorf. Sie wurden allerdings später von den Jagden, die ihren Anfang auf Schloß Hubertusburg hatten, noch übertroffen. Noch war es allerdings noch nicht so weit.
Das Hubertusfest 1721, an dem der König vom 2. Bis .5. November selbst teilnahm, ist für die Geschichte des Ortes Wermsdorf von weitreichender Bedeutung. Gibt doch bei dieser Gelegenheit August II seinen bereits am 30. September gefaßten Beschluß bekannt, „zu besserer Bequemlichkeit Unseres Königl. Printzens Lbd. einen Bau aufführen zu lassen“. Noch im gleichen Jahr begann der Bau dieses großen Jagdschlosses, das dann für die Parforcejagd in Wermsdorf noch bessere Voraussetzungen gab. Glanzvolle Jagden mit adeligen Gästen aus ganz Europa nahmen im Jagdschloß Hubertusburg ihren Anfang und luxuriöse Feste im Schloß krönten ihr Ende. Die eigentliche Jagd war fast zur Nebensache geworden. Als der Kurprinz nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1733 als König August III. Herrscher von Polen und Kursachsen geworden war, ließ er in den Jahren 1740/41 durch Generalmajor von Fürstenhoff unter Mithilfe von Ingenieuroffizieren in der „Mutzschener Heyde" neue Jagdalleen anlegen. Die Kosten für Vermessung und Freihauen der Alleen betrug für das Jahr 1740 die stolze Summe von 30.000Reichsthaler. Im folgenden Jahr wurden nochmals 3181 Rthlr. Herstellungskosten bewilligt. Diese damals ausschließlich für die Parforcejagd geschaffene Einteilung des Wermsdorfer Waldes wurde später unter Ergänzung für forstwirtschaftliche Zwecke übernommen und bildet heute das Wegenetz unseres Waldes.
Der Hubertus-Hirsch
Der Verlauf des Siebenjährigen Krieges beendete jäh diese Idylle. Die Plünderung des Schlosses Hubertusburg, dessen baulicher Verfall und die hohen Staatsschulden Kursachsens schränkten den Prunk bei den Parforcejagden erheblich ein. Gleichwohl wurden besonders in der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich August III. noch Parforcejagden abgehalten. Die Jagdequipage hatte allerdings ihren Glanz eingebüßt. Nach Fritzsche wurde 1826 die letzte Parforcejagd im Wermsdorfer Walde abgehalten. Sie endete auf dem Feld der Mahliser Flur, welches im Westen von der Straße nach Oschatz, im Süden von der Straße nach Mügeln und im Norden vom Walde des Revieres Hubertusburg begrenzt wird. Fritzsche beschreibt, daß der damals schon greise König Friedrich August I. große Mühe gehabt habe, dem Landhalali gejagten Hirsch den Genickfang zu geben. Sein Nachfolger, König Anton, hob dann 1830 die Parforcejagd im Königreich Sachsen auf
Für das Jagdschloß Hubertusburg und den Wermsdorfer Wald ging mit dem Ende der Parforcjagd eine glanzvolle Periode zu Ende, in der unser Wermsdorf mit seinen Schlössern ein jagdliches, aber auch ein politisches Zentrum für Mittel- und Osteuropa war. Der Wald blieb jedoch Hofjagdrevier der Wettiner. Es muß jedoch einem gesonderten Bericht vorbehalten bleiben, über diesen Zeitraum aus der Geschichte Wermsdorfs zu berichten.

1.Privileg des Landesherren im Feudalismus in einem bestimmten Gebiet die Jagd auf alles Wild allein auszuüben.
2.Vermutlich existiert doch noch eine Karte bei einer nicht genannt werden wollenden Familie in Wermsdorf. Wie sie in deren Besitz kam ist nicht bekannt.

Helmut Striegler
Wermsdorf, den 5.Januar 2000
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