Das Hofleben wurde von der Jagd und Festen geprägt.



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Hofleben Hubertusburg

Das Hofleben wurde von der Jagd und Festen geprägt.


Hubertusburger Glanz

Staatskrise und Jagdvergnügen
Von Axel Küttner
Nach dem Tod des kursächsischen Oberlandbaumeisters Johann Christoph Knöffel (1686 bis 1752) vollendete offiziell 1753 dessen Amtsnachfolger Julius Heinrich Schwarze (1706 bis 1775) den Umbau des Hubertusburger Hauptpalais. Dieser riesige Neubau und der zeitgleich stattfindende Bau der Katholischen Hofkirche (1739 bis 1754) in Dresden, sowie die äußerst aufwendigen und doppelten Hofhaltungen in Warschau und Dresden verschlungen Unsummen von Geldern. Und Kursachsen steuerte trotz gutem Manufakturwesen und Handelsbeziehungen unaufhörlich auf eine Staatskrise zu. Erste Anzeichen dafür waren als 1753 die Schmucklieferanten dem Dresdener Hof offenbar neue Kredite verwehrten.
Des Weiteren versuchte im gleichen Jahr auf Schloss Hubertusburg der preußische Gesandte Hans Dietrich Freiherr von Maltzahn mit Premierminister Graf von Brühl über eine Neuregelung der sächsischen Steuerschulden und Steuerscheine zu verhandeln. In Europa herrschte große Besorgnis darüber, dass in Kursachsen der finanzielle Kollaps drohte und dadurch immer mehr in die politische Abhängigkeit Preußens gerät. Selbst Holland machte Vorschläge, die aber vom Geheimen Kabinett zurückgewiesen wurden. Auch mehrere spekulative Bank- und Lotterieprojekte gab es in dieser Zeit für Kursachsen, um an dringend benötigte Gelder zu kommen. Dass auch der Hubertusburger Hof finanziell betroffen war, ist vor allem bei der Hubertusburger Parforcejagdequipage spürbar gewesen. Es wurden kaum junge Pferde und Hunde neu aufgekauft. Der aufklärerische Satiriker Gottlieb Wilhelm Rabener (1714 bis 1771), der zugleich als Obersteuersekretär im kursächsischen Staatsdienst stand, schrieb am 18. November 1753 bissig an seinen Freund, den Kabinettsekretär Friedrich Wilhelm Ferber über die Hubertusburger Jagden: "Die Jagd ist vorbei, die Hunde waren sehr stumpf, und die Pferde konnten der Jagd nicht folgen." Seiner Exzellenz "Monseigneur le Premier Ministre Comte de Brühl" fiel die Unzufriedenheit seines Landesherrn, des Königs August III. des Prächtigen (1733 bis 1763) sofort auf. Graf von Brühl (1700 bis 1763) versuchte dieses auszugleichen, in dem er im Oktober 1755 neue Pferde und Hunde, unter anderem aus England aufkaufte. Gleichzeitig übernahm er im März 1755 die Oberdirektion der Parforcejagdequipage, nachdem der bisherige Kommandant Baron von Feullner aus Altersgründen in den Ruhestand verabschiedet wurde.

JagdstuhlAus der Sammlung von C. E. WapplerWermsdorfer WaldBrühlischer PavillionSchloss HubertusburgParforcejagd

Skepsis gegenüber Graf Brühl

Brühl versuchte verstärkt, seinen Einfluss vor allem auf die Prinzen Carl und Xaver auszunutzen, da beide große Freunde des Jagdvergnügens waren. Diese beiden Prinzen Carl und Xaver sollten als zukünftige Könige von Polen, nachdem dort die Wahlmonarchie zugunsten für das Haus Wettin in eine Erbmonarchie umgewandelt wurde, für Kursachsen von größtem Nutzen sein. Beide wurden immer wieder von ihrer Mutter, der Königin Maria Josepha, bevorzugt. Dies führte zu einem offenen Streit zwischen Königin Maria Josepha und ihrem Sohn, dem Kurprinzen Friedrich Christian und dessen 1747 angetrauter, äußerst geistreicher Gattin, der kurbayerischen Prinzessin Maria Antonia Walpurgis.
Kurprinz Friedrich Christian (1722 bis 1763), als ältester Sohn von König August III., erhielt eine vielseitige und umfassende Ausbildung. So wurde er zum Beispiel von 1733 bis 1741 vom bürgerlichen Staatsrechtler Prof. Gärtner der Universität Leipzig in Recht und Staatslehre unterrichtet. Und auch seine Gattin Maria Antonia Walpurgis (1724 bis 1780) war sehr an Politik, Literatur, Musik und Kunst interessiert. Als Ehepaar ergänzten sich beide wechselseitig und waren mit aufklärerischem Gedankengut für das Staatswesen vertraut gewesen, was zu einer Skepsis gegenüber Graf von Brühl und seiner Politik führte.
Die Diskrepanz zwischen dem Königspaar und dem Kurprinzenpaar zeigte sich auf Schloss Hubertusburg deutlich. Das junge Kurprinzenpaar kam immer später von der Leipziger Messe nach Schloss Hubertusburg und fuhr jedesmal wieder zeitiger in die Residenzstadt Dresden ab. Doch davon ließ sich König August II. nicht beeindrucken und genoss den fast zweimonatigen Herbstaufenthalt 1755 in seinem Lieblingsschloss umso mehr. Erst am 29. November 1755 beendete das Königspaar diesmal die Hubertusburger Jagdsaison mit der Rückkehr nach Dresden, nachdem der Kurprinz schon am 10. November dorthin zurückgekehrt war.

HerbstOvalsaalInnenhofJagdrevierMuseum WermsdorfFarbenfreude

Krieg und rote Ruhr

Auch diesmal bestimmte die Jagd den Hubertusburger Alltag. Aber die Tage wechselten zwischen Sau- und Parforcejagden, Spazierfahrten in die Wermsdorfer Umgegend. Genauso wechselten die Tage, an denen das Königspaar entweder allein in ihren Gemächern "auf Serviette" speiste oder gemeinsam mit dem Hof an der Tafel. Die königliche Tafel umfasste gewöhnlich drei Menügänge, dabei bestanden die ersten zwei Gänge aus jeweils 30 Gerichten und der dritte Gang war das Dessert, das aus Konfekt als Nascherei bestand.
Zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 lebten "nicht weniger als 56 Familien, welche gleichzeitig freie Wohnungen in Hubertusburg" hatten. Dieses ist nicht verwunderlich, da alle "Hof-Demestiquen", das heißt alle Hubertusburger Hofangestellten kostenfrei wohnten und falls nicht, bezahlte der Dresdener Hof die Miete im Ort Wermsdorf oder in der Umgegend. Sehr beliebt waren König August III. und seine Gattin für ihre Fürsorge und Großzügigkeit wie bei Hochzeiten oder Taufen, aber auch gegenüber den Hinterbliebenen von verstorbenen Hofangestellten. Auch diese durften in sogenannten Gnadenwohnungen wie im Schloss Hubertusburg weiterhin kostenfrei wohnen bleiben.
Umso größer waren die Ängste und die Verunsicherungen der Hubertusburger Bewohner als der Siebenjährige Krieg 1756 ausbrach und König August III. nach Warschau floh. Halt und Kraft gab ihnen ihre Königin Maria Josepha, die zusammen mit dem Kurprinzenpaar allein in Dresden zurückblieb. Umso erschütterter waren alle von ihrem unerwarteten Tod im November 1757. Man war auf sich allein gestellt, wer es finanziell konnte, flüchtete ebenfalls nach Warschau. Man fürchtete auch hier den Krieg, der langsam herannahte. Schlimme Nachrichten: Zittau 1757 durch österreichische Truppen bombardiert, Dresden 1760 durch preußische Truppen in Schutt und Asche gelegt, schwieriger Messhandel in Leipzig und allein im benachbarten Dörfchen Mahlis starben in den Jahren 1760/61 104 Leute, davon 58 Personen an der roten Ruhr. Der Mahliser Pfarrer Drechsler schrieb ins Kirchenbuch: "...ganzen umliegende Gegend überaus viele Personen hingerafft." Das eigentliche Drama sollte noch kommen: Eine tiefe Demütigung durch Preußen.

Zentrum der MachtOrt der FesteBlick zum SpiegelsaalJagdequipageVoller WildHeute noch Jagdrevier
Wermsdorf




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