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Jagd im 19.Jahrhundert

Die Jagd im 19.Jahrhundert brachte erhebliche Veränderungen mit sich.

Der Wermsdorfer Wald als Hofjagdrevier

Zur 750 Jahrfeier
Das 19.Jahrhundert brachte im Jagdwesen erhebliche Veränderungen. Die seit Jahrhunderten geltenden mittelalterlichen Jagdregale nach denen die jeweiligen Landesherren als Jagdausübende festgelegt waren oder die hohe, mittlere oder niedere Jagd weiter verleihen durften, wurden durch die Ereignisse der Französischen Revolution erheblich erschüttert. In Deutschland wurden diese Regale dann durch die bürgerliche Revolution von 1848 endgültig beseitigt.

Im Königreich Sachsen brachten allerdings bereits die Unruhen 1830 in Dresden und Leipzig einige Veränderungen. So wurden die dem Staat zu leistenden Jagddienste der Bauern ab 1832 teils abgelöst, teils aufgehoben. Nach dem Jahre 1848 wurde dann das Jagdrecht des Adels auf fremden Grundstücken aufgehoben. Das Recht der Jagd wurde an den Besitz von Grund und Boden gebunden und bald danach das Jagdnutzungsrecht vom Jagdrecht getrennt. Das heute noch gültige Revierjagdsystem entstand. Das Königshaus Wettin hatte allerdings bereits mit der neuen Verfassung für Sachsen vom 4. September 1831 zu Gunsten des Staates auf seine Domänen verzichtet und erhielt als Ausgleich eine Kronrente ( Als Civilliste verwaltet ). Für den Wermsdorfer Wald als Hofjagdrevier des Hauses Wettin hatte diese Entwicklung vorerst keine besondere Auswirkung. Die Jagd auf den königlichen Forstrevieren zu Wermsdorf wurde bis 1870 weiter administriert, d. h. von Amtswegen verwaltet.. Jedoch die Ausübung der Jagd im Stadt- und Kirchenwald Oschatz, sowie auf den zum Rittergut Bornitz gehörigen Waldflächen auf dem Striesaer Berg war nur noch nach Pachtung dieser Flächen über die Königliche Civilliste möglich. Ab 1. September 1870 wurden dann auch die Wermsdorfer Staatsforst-Reviere von der Civilliste gepachtet.

Die Jagd im Wermsdorfer Wald galt vor allem dem Rotwild, der größten einheimischen Wildart. Die Hege dieser Wildart bedarf großer Flächen, auf denen diese Wildart nach einheitlichen Richtlinien bejagt werden kann.
Um die sachgerechte Hege des Rotwildes zu sichern und unkontrollierten Abschuß zu verhindern, pachtete der Fiscus angrenzende Wald- und Feldflächen an. So war z.B. die Jagd auf der Wermsdorfer Flur vom 1. September 1853 bis zum 3 1. August 1909 für die Civilliste gepachtet. Auch die Sachsendorfer Flurjagd, Teile der Fluren von Wendisch-Luppa, sowie die Feldfluren von Mahlis, Collm, Lampersdorf und andere waren im 19. Jahrhundert vom Fiscus erpachtet und gehörten zum Hofjagdrevier.
Jagdmeute
Zu Beginn dieses Jahrhunderts deutet sich eine Veränderung in der Jagdpolitik des
Staatsfiscus an. Im Revisionsprotokoll des Forstbezirkes Grimma zu Wermsdorf vom 20.
August 1907 wird folgendes bestimmt:

„5., Bezüglich der Behandlung der Jagd ist Vorsicht geboten. Sie wird im Landtag kritisiert teils wegen der Wildschäden, teils wegen der Einnahmen. Jedenfalls ist dafür zu sorgen, daß keine Klagen einlaufen. Liberale Gesinnung gegenüber den Jagdnachbarn wird dringend anempfohlen."

„6., Mit der Jagdausbezirkung ist man des öfteren zu weit gegangen, in zweifelhaften Fällen, vor allem solchen, die geeignet sind, böses Blut zu machen, soll man in Zukunft lieber auf den Erwerb der Jagd verzichten."

Das Rotwild spielte als Wildart der sogenannten"Hohen Jagd" auch nach der Aufhebung der Parforcejagd für den Wermsdorfer Wald die bestimmende Rolle. Das Schwarzwild wurde in den Jahren 1827 bis 1830 restlos erlegt. Insgesamt wurden in diesen vier Jahren 53 Sauen im Waldgebiet westlich der Luppaer Straße (Wermsdorfer Revier) erlegt. Im Hubertusburger Revier dürfte die Strecke eine ähnliche gewesen sein. Im Jahr 1888 wurde an Allee 9 und Flügel R im Hubertusburger Revier ein Keller und im Wermsdorfer Revier eine Bache geschossen, die vermutlich aus den preußischen Forsten eingewechselt waren.

Die Rotwildstrecken waren zu Beginn des Jahrhunderts sehr niedrig. Nach Aufhebung der Parforcejagd wurde z. B. in den Jahren 1841 bis 1844 überhaupt kein Rotwild erlegt. Es war im Wermsdorfer Wald nur noch zeitweise als sogenanntes Wechselwild vorhanden. Erst ab 1872 kann das Rotwild wieder als Standwild bezeichnet werden. Haupteinstandsgebiet war das Wermsdorfer Revier westlich der Strasse Wermsdorf – Luppa.

Um das Rotwild von den Wermsdorfer und Rodaer Feldfluren fern zu halten, wurde im Sommer 1872 ein Wildzaun gebaut, der 1882 erneuert werden mußte. Auch zwischen Hubertusburger und Wermsdorfer Revier war 1872 ein Wildzaun errichtet worden, der erst 1928 gefallen ist. Die jährliche Rotwildstrecke ab 1872 für den gesamten Wermsdorfer Wald betrug etwa 15 Stück mit steigender Tendenz und erreichte in den 90er Jahren dann durchschnittlich 25 bis 30 Stück pro Jahr.

Jagdpächter Ringpfeil
Auch dem Rehwild galt in dieser Zeit die Jagd., Dabei wurden ansehnliche Strecken erzielt. Nach dem erhalten gebliebenen Streckenverzeichnis des Wermsdorfer Forstamtes wurden z.B. von 1827 bis 1835 insgesamt 322 Rehe, das sind jährlich 36 erlegt. Mit dem verschwinden des Rotwildes als Standwild stieg die Rehwildstrecke für die Jahre 1855 bis 1864 auf 529 Rehe oder 59 pro Jahr, um dann beim Ansteigen des Rotwildbestandes wieder zu fallen.

Aber nicht nur dem Schalenwild war während der Hofjagdzeit die Aufmerksamkeit gewidmet. Das Streckenverzeichnis vermerkt für diesen Zeitraum auch ansehnliche Strecken von Hasen, Stockenten und Rebhühnern. Für die Jahre 1829 bis 1849 sind auch 20 Birkhähne als erbeutet registriert. Der letzte Birkhahn auf Wermsdorfer Revier wurde 1880 erlegt, nachdem 1854 eine Birkhenne geschossen wurde.
Der Horstsee hatte für die Entenjagden eine besondere Bedeutung. Für die Jahre 1913 bis 1917 sind Hofjagden auf Stockenten unter Teilnahme Sr. Maj. des Königs Friedrich August III. auf dem Horstsee nachgewiesen. Die Strecken lagen zwischen 51 und 135 Enten und Bläßhühnern. Die Waldteiche wurden in der Regel bei gesonderten Jagden bejagt. Die Streckenergebnisse lagen meist sehr niedrig.
Die Ergebnisse der Jagd auf Raubwild und Raubzeug sind erst seit 1886 im Streckenverzeichnis nachgewiesen. Dabei wird die Strecke von Rotfuchs und Krähen bestimmt. Aber auch Vogelarten, die heute unter strengen Schutz stehen, wie Habichte, Sperber, Rohrweihen und Falken wurden damals geschossen.
Mit dem Verzicht des Königs Friedrich August III. am 13. November 1918 auf den sächsischen Thron endete auch die Ära des Wermsdorfer Waldes als Hofjagdrevier. Das Schloß Wermsdorf, daß nach Regierungsantnitt von König Albert wieder als Jagdschloß eingerichtet war, wurde von den Wettinern aufgegeben. Die Jagd auf den Wermsdorfer Revieren wurde als Regiejagd allein von der Forstverwaltung ausgeübt. Diese hat dann auch die angepachteten Gemeindefluren stark eingeschränkt, später ganz aufgegeben.

Autor:
Helmut Striegler
Wermsdorf
Hoher Weg 1A
Wermsdorf




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